Immobilien-ABC M

Massivhaus


Tragwerk aus Stein oder Beton: Was das für Raumklima, Bauzeit und Wert bedeutet.

Ein Massivhaus ist ein Gebäude, dessen tragende Konstruktion aus mineralischen Baustoffen besteht: Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton oder Stahlbeton. Der Begriff grenzt diese traditionelle Bauweise vom Fertighaus ab, bei dem vorgefertigte Holztafeln oder Stahlrahmen das Skelett bilden. Entscheidend für viele Eigentümer ist nicht die Materialfrage an sich, sondern was daraus für Raumklima, Schallschutz und Langlebigkeit folgt.

Was die Wahl des Baustoffs bewirkt

Ziegel sind der am weitesten verbreitete Massivbaustoff. Moderne Hochlochziegel mit eingeschlossenen Luftkammern oder Perlitfüllung (sogenannte Poroton-Steine) erzielen schon einschalig gute Dämmwerte. Kalksandstein ist dichter und schwerer: Schallschutz und Druckfestigkeit sind hervorragend, aber ohne zusätzliche Außendämmung kommt ein Kalksandsteingebäude kaum auf zeitgemäße Wärmedurchgangskoeffizienten. Porenbeton liegt dazwischen, er ist leicht, gut bearbeitbar und erlaubt einschaliges Mauerwerk ohne weiteres Dämmsystem.

Stahlbeton übernimmt im Massivbau meist keine vollflächige Aufgabe, sondern gezielte: Fundamente, Geschossdecken, Stützen und Treppen bestehen in der Regel aus Beton, während die Wände in Mauerwerk ausgeführt werden.

Einschalig, zweischalig oder mit Dämmschicht

Aus der Planung kennen wir drei gängige Konstruktionsprinzipien. Das einschalige Mauerwerk mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist heute die Standardlösung: Die Wand trägt, das aufgeklebte oder gedübelte Dämmsystem bringt die geforderten U-Werte unter 0,15 W/(m²K). Zweischaliges Mauerwerk mit Klinkerverblendung ist im Süddeutschen eher selten und wird vor allem dort gewählt, wo das Erscheinungsbild eines Sichtmauerwerks gewünscht wird. Zwischen beiden Schalen sitzt dann eine Kerndämmung. Die dritte Variante, hochwärmedämmende Steine ganz ohne Zusatzdämmung, bleibt eine Nischenlösung mit begrenztem Marktanteil.

Was für das Massivhaus spricht

Der größte praktische Vorteil ist die thermische Masse: Schwere Wände und Decken speichern Wärme und geben sie zeitversetzt wieder ab. An einem heißen Sommertag in Fellbach oder Kernen bleibt ein gut ausgeführtes Massivhaus merklich kühler als ein leichtes Holzrahmengebäude, weil die Außenhitze erst mit Stunden Verzögerung ins Innere durchdringt.

Beim Schallschutz schlägt Masse direkter zu Buche. Wer in einer Remstal-Lage an einer Hauptstraße oder neben einem Hangnachbarn baut, profitiert von hoher Flächenmasse deutlich mehr als durch jede nachträgliche Maßnahme.

Für die Frage nach dem Wert und der Lebensdauer gilt: Gut ausgeführte Massivbauten halten problemlos 80 bis 100 Jahre. Das hat Konsequenzen für die Finanzierung, für die Versicherungseinstufung und letztlich für den Wiederverkauf. In unserer Arbeit sehen wir, dass Käufer im Remstal bei vergleichbaren Lagen häufig bereit sind, für ein Massivhaus einen Aufschlag zu akzeptieren, weil die bauliche Substanz als langfristig stabiler eingeschätzt wird.

Was gegen das Massivhaus oder zumindest zur Vorsicht mahnt

Massivbauten brauchen Zeit. Rohbau und Austrocknung dauern zusammen meist neun bis fünfzehn Monate, abhängig von Witterung, Bautrupp und Komplexität des Grundrisses. Wer im April mit dem Fundament beginnt, zieht nicht vor Weihnachten ein.

Die Baukosten liegen je nach Ausstattung grob zwischen 1.800 und 3.500 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, wobei die Spanne stark davon abhängt, ob Keller, Dachform und Haustechnik schlicht oder aufwendig geplant sind. Gegenüber einem vergleichbaren Fertighaus sind das im Durchschnitt fünf bis fünfzehn Prozent mehr. Dafür ist die Konstruktion individuell anpassbar, was beim Fertighaus durch die Modulsystematik eingeschränkt ist.

Ein Punkt, den wir bei Neubauvorhaben immer ansprechen: Die Qualität eines Massivbaus hängt stark von der handwerklichen Ausführung ab. Fehlstellen in der Dämmebene, nicht vollständig durchgefügte Lagerfugen oder Wärmebrücken an Fensterlaibungen sind mit dem Auge nicht sichtbar. Ein baubegleitender Sachverständiger und ein Blower-Door-Test nach Fertigstellung sind kein Luxus, sondern praktische Absicherung.

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