Immobilien-ABC I

Immobilien-GmbH


Eigene Kapitalgesellschaft für Immobilienvermögen: wann das Modell rechnet und wo es knifflig wird

Eine Immobilien-GmbH ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die ausschließlich dazu gegründet wird, eigenes Immobilienvermögen zu halten und zu verwalten. Das Modell ist für Eigentümer interessant, die mehrere Objekte besitzen oder aufbauen wollen, denn im richtigen Umfeld lässt sich die Steuerbelastung auf Mieteinnahmen spürbar senken, die Haftung wird begrenzt, und Anteile an einer GmbH lassen sich im Erbfall oder bei einer vorweggenommenen Erbfolge leichter übertragen als einzelne Grundstücke.

Wo der steuerliche Vorteil tatsächlich liegt

Der Kern des Konzepts ist ein Steuersatzgefälle. Wer Mieteinnahmen privat versteuert und dabei im Spitzensteuersatz liegt, zahlt bis zu 45 Prozent Einkommensteuer. Eine vermögensverwaltende GmbH zahlt stattdessen Körperschaftsteuer von 15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, was einer effektiven Belastung von rund 15,8 Prozent entspricht. Solange die Gewinne in der GmbH bleiben und reinvestiert werden, entfaltet dieser Unterschied einen erheblichen Zinseszinseffekt.

Wichtig für die Einordnung: Der Vorteil gilt nur bei Thesaurierung, also wenn Geld in der Gesellschaft bleibt und zum Beispiel in weitere Objekte fließt. Sobald Sie Gewinne ausschütten, kommt auf die 15,8 Prozent noch die Kapitalertragsteuer von 25 Prozent, und die Gesamtbelastung nähert sich dem privaten Steuersatz an. Wer die Erträge regelmäßig zum Leben braucht, gewinnt durch die GmbH-Hülle wenig.

Gewerbesteuer fällt bei einer rein vermögensverwaltenden GmbH nicht an, sofern die sogenannte erweiterte Kürzung greift. Das setzt voraus, dass die Gesellschaft ausschließlich eigene Grundstücke vermietet. Gewerbliche Nebentätigkeiten, die mehr als fünf Prozent der Einnahmen ausmachen, zerstören diesen Vorteil vollständig.

Wann sich die Struktur lohnt und wann nicht

Als Faustregel gilt: Der Break-even liegt grob bei einem persönlichen Grenzsteuersatz von rund 42 Prozent. Darunter ist der Steuervorteil kleiner als die zusätzlichen laufenden Kosten, die die GmbH unweigerlich verursacht. Doppelte Buchführung, Jahresabschluss, Veröffentlichung im Bundesanzeiger und ein Steuerberater, der das alles betreut, kosten je nach Aufwand zwischen 1.500 und 5.000 Euro im Jahr.

Besonders sinnvoll ist die GmbH-Struktur, wenn Sie planen, Mietgewinne konsequent in neue Objekte zu reinvestieren. Im Remstal, wo Bodenrichtwerte in guten Lagen zwischen 400 und 610 EUR/m² liegen und Kaufpreise für Renditeobjekte entsprechend hoch sind, kann das eingesparte Kapital bei jedem weiteren Kauf den Unterschied machen.

Für das einzelne Mietobjekt, das hauptsächlich der eigenen Versorgung im Alter dienen soll, ist die GmbH dagegen selten das richtige Werkzeug. Die Verwaltungskosten übersteigen dann den Steuervorteil.

Gründung und Einbringung: wo Kosten entstehen

Das Mindeststammkapital beträgt 25.000 Euro, von denen bei Gründung mindestens 12.500 Euro eingezahlt sein müssen. Der Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden, die Eintragung ins Handelsregister kostet wenige Hundert Euro. Das ist der einfache Teil.

Komplizierter wird es, wenn Sie eine bereits vorhandene Immobilie in die GmbH übertragen wollen. Ein regulärer Kaufvertrag zwischen Ihnen und Ihrer Gesellschaft löst Grunderwerbsteuer aus. In Baden-Württemberg sind das 5,0 Prozent des Kaufpreises. Diesen Einmalaufwand müssen Sie in jede Wirtschaftlichkeitsrechnung einpreisen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind steuerlich günstigere Einbringungswege möglich, etwa bei Alleingesellschaftern oder über das Umwandlungssteuergesetz, aber das ist Materie für einen spezialisierten Steuerberater, nicht für ein Glossar.

Finanzierung und laufender Betrieb

Banken finanzieren GmbHs grundsätzlich, verlangen aber in aller Regel eine persönliche Bürgschaft des Gesellschafters. Die Haftungsbeschränkung, die Sie auf dem Papier genießen, wird beim Kreditgespräch damit teilweise aufgehoben. Als Sicherheit dient eine Grundschuld auf der jeweiligen Immobilie, was sich vom privaten Immobilienkauf nicht wesentlich unterscheidet.

Eine verbreitete Gestaltung ist das Gesellschafterdarlehen: Sie leihen der GmbH Geld zu einem marktüblichen Zinssatz, die GmbH zahlt Ihnen Zinsen, die sie als Betriebsausgabe absetzen kann. Das muss fremdüblich dokumentiert sein, sonst behandelt das Finanzamt den Vorgang als verdeckte Gewinnausschüttung.

Das sollten Sie vor der Entscheidung klären

  • Liegt Ihr persönlicher Grenzsteuersatz dauerhaft bei 42 Prozent oder höher?
  • Planen Sie, Gewinne über mehrere Jahre in der Gesellschaft zu thesaurieren?
  • Können Sie die jährlichen Verwaltungskosten von mindestens 1.500 Euro tragen, ohne dass der Steuervorteil aufgefressen wird?
  • Haben Sie die Grunderwerbsteuer für eine Einbringung bestehender Objekte durchgerechnet?
  • Ist die Nachfolge ein Thema, und haben Sie geprüft, ob die Anteilsübertragung in Ihrer konkreten Situation wirklich grunderwerbsteuerfrei bleibt?

Aus der Planung kennen wir Fälle, in denen die GmbH-Struktur auf dem Papier überzeugend wirkte und sich nach Einbeziehung aller Einmalkosten erst nach vielen Jahren gerechnet hat. Eine ehrliche Modellrechnung mit einem Steuerberater, der auf Immobilien spezialisiert ist, ist hier keine Option, sondern Pflicht.

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