Eine Gaube ist ein aus der Dachfläche herausragender Aufbau mit eigenem kleinen Dach und senkrechten Wänden. Sie schafft dort, wo die Schräge das Wohnen erschwert, nutzbare Grundfläche mit ausreichender Stehhöhe und lässt Tageslicht durch ein reguläres Fenster herein. Für Eigentümer im Remstal bedeutet das in der Praxis: mehr anrechenbare Wohnfläche, eine bessere Vermarktbarkeit des Dachgeschosses und damit häufig einen spürbar höheren Verkehrswert.
Welche Gaubentypen es gibt
Die Schleppgaube ist die einfachste Form: ein flach geneigtes Pultdach zieht sich über eine breite Öffnung in der Dachfläche. Sie bietet die größte Raumausbeute pro Euroaufwand und fügt sich in viele Gebäudetypen unauffällig ein.
Die Satteldachgaube mit ihrem kleinen First wirkt klassisch und harmoniert gut mit älteren Bestandsgebäuden. Sie ist konstruktiv aufwändiger als die Schleppgaube, aber handwerklich gut beherrschbar.
Die Flachdachgaube hat eine horizontale Dachfläche und eine klare, kubische Silhouette. Wer die maximale Raumausbeute sucht und eine moderne Optik verträgt, liegt hier richtig.
Die Walmgaube hat zusätzlich seitlich abgewalmte Dachflächen und wirkt dadurch eleganter, ist aber teurer. Die Fledermausgaube mit ihrer geschwungenen Form ist handwerklich die anspruchsvollste Variante und heute eher an historischen Gebäuden oder bei bewusstem Gestaltungsanspruch zu finden.
Konstruktion und Bauphysik
Aus der Planung kennen wir: Der Einbau einer Gaube greift tief in die bestehende Dachkonstruktion ein. Sparren und Pfetten werden geöffnet, umgebaut oder verstärkt. Bei größeren Gauben ist eine statische Prüfung keine Option, sondern Pflicht. Das sollten Sie einkalkulieren, bevor Sie sich für einen Typ entscheiden.
Bauphysikalisch ist der Anschluss zwischen Gaubendach und Hauptdach die empfindlichste Stelle. Die Kehle, also der Bereich, in dem beide Dachflächen zusammenlaufen, muss wasserführend einwandfrei ausgeführt sein. Ein Fehler hier zeigt sich erst nach dem nächsten starken Regen, dann aber zuverlässig. Gleiches gilt für die Wärmedämmung der Gaubenwände und die luftdichte Ausführung mit Dampfsperre auf der Innenseite.
Genehmigung: Was im Remstal gilt
Gauben sind in Baden-Württemberg in der Regel genehmigungspflichtig. Das heißt: Bauantrag mit Planunterlagen, Statiknachweis und Wärmeschutznachweis. Zuständig ist in Fellbach und Waiblingen die jeweilige untere Baurechtsbehörde der Stadt, für Kernen im Remstal das Landratsamt Rems-Murr-Kreis.
Vor der Planung lohnt sich ein Blick in den Bebauungsplan. Viele Pläne setzen Anzahl, Größe oder Form von Gauben fest. Gibt es eine Gestaltungssatzung, kommen weitere Einschränkungen dazu. Bei denkmalgeschützten Gebäuden, die im Remstal nicht selten sind, schaltet sich die Denkmalschutzbehörde ein. Wer das erst nach Beauftragung eines Zimmermanns herausfindet, ärgert sich zurecht.
Kosten und was die Investition bringt
Grob gerechnet beginnt eine Schleppgaube im Rohbau bei 5.000–10.000 Euro, eine Satteldachgaube bei 8.000–15.000 Euro, eine Fledermausgaube kann ab 15.000 Euro aufwärts kosten. Der Innenausbau, Fenster und ein vernünftiger Sonnenschutz kommen obendrauf.
Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie viel Wohnfläche gewonnen wird und was diese Fläche im jeweiligen Ort wert ist. Im Remstal, wo Bodenrichtwerte in Fellbach, Kernen und Waiblingen am oberen Rand des Kreises liegen, ist die Antwort in vielen Fällen: ja, es rechnet sich. Aber prüfen Sie das konkret für Ihr Objekt, nicht pauschal.