Immobilien-ABC B

Bodengutachten


Was steckt wirklich unter dem Grundstück? Ein Bodengutachten gibt Ihnen verlässliche Antworten.

Ein Bodengutachten ist eine geotechnische Untersuchung, bei der ein Sachverständiger den Untergrund eines Grundstücks systematisch erkundet. Das Ergebnis zeigt, wie tragfähig der Boden ist, in welcher Tiefe Grundwasser steht und welche Bodenklassen vorliegen. Auf dieser Grundlage legen Statiker und Planer fest, wie tief und stark die Fundamente sein müssen und ob ein Keller ohne besondere Abdichtungsmaßnahmen möglich ist.

Was das Gutachten untersucht

Für die Probenentnahme stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Bei der Rammkernsondierung werden Hohlrohre in den Boden getrieben und Bodenproben entnommen; die Rammsondierung misst stattdessen den Eindringwiderstand und gibt so Auskunft über die Bodenfestigkeit in der Tiefe. Ergänzend können sogenannte Schürfen angelegt werden: offene Baugruben, die eine direkte Sichtprüfung des Erdreichs erlauben. Die entnommenen Proben wandern anschließend ins Labor, wo Kornverteilung und Wassergehalt bestimmt werden.

Das fertige Gutachten enthält die Einteilung des Bodens nach DIN 18300 (relevant für die Kalkulation der Erdarbeiten), den zulässigen Sohldruckwert für die Fundamentbemessung sowie Angaben zu Grundwasserstand, saisonalen Schwankungen und der chemischen Aggressivität des Wassers gegenüber Beton. Bei Grundstücken, auf denen Regenwasser versickert werden soll, prüft das Gutachten außerdem die Versickerungsfähigkeit des Bodens.

Was das für Sie als Eigentümer bedeutet

Im Remstal treffen sehr unterschiedliche Verhältnisse aufeinander. Hanglagen am Kappelberg bestehen oft aus lehmigen Verwitterungsböden mit geringer Tragfähigkeit und können Hangdruckwasser führen. Grundstücke in Tallage entlang der Rems dagegen liegen häufig auf Kies und Sand mit hohem Grundwasserspiegel. Ohne eine Untersuchung weiß kein Planer im Vorfeld, womit er es zu tun hat. Aus der Praxis kennen wir Fälle, in denen fehlende Vorinformationen zum Grundwasser die Kellerbaukosten nachträglich um einen fünfstelligen Betrag angehoben haben, weil aufwendige Abdichtungen oder sogar eine Weißen Wanne nachgeplant werden mussten.

Für Verkäufer ist das Gutachten aus einem anderen Grund interessant: Ein vorliegendes, aktuelles Bodengutachten signalisiert einem Kaufinteressenten Planungssicherheit und reduziert die Verhandlungsmasse bei Fragen zum Baurisiko.

Kosten im Verhältnis zum Nutzen

Beispielrechnung Ein unbebautes Grundstück in Fellbach, rund 500 m² groß, soll mit einem Einfamilienhaus bebaut werden. Der Eigentümer beauftragt ein Bodengutachten mit zwei Rammkernsondierungen und einer Rammsondierung: Kosten rund 1.800 EUR. Der Gutachter stellt einen erhöhten Grundwasserstand fest und empfiehlt, auf einen Keller zu verzichten und stattdessen eine Bodenplatte mit Perimeterdämmung zu wählen. Damit spart der Bauherr gegenüber einem nachträglichen Abdichtungsaufwand schätzungsweise 25.000–40.000 EUR. Der Gutachter haftet für seine Einschätzungen; bei groben Fehlern greift seine Berufshaftpflicht.

Je nach Grundstücksgröße, Anzahl der Sondierungspunkte und gefordertem Untersuchungsumfang liegen die Kosten für ein Bodengutachten typischerweise im Bereich von 1.000–3.000 EUR. Das ist gemessen an den möglichen Baufolgekosten eine überschaubare Investition. Bauantragsunterlagen müssen das Gutachten zwar nicht zwingend enthalten, die untere Baurechtsbehörde in Fellbach oder Waiblingen kann es jedoch anfordern, und der Statiker benötigt die Tragfähigkeitswerte in jedem Fall.

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