Immobilien-ABC A

Ausbauhaus


Günstiger bauen durch Eigenleistung: Was das Ausbauhaus verspricht und was es verlangt

Ein Ausbauhaus ist ein Fertighaus, das der Hersteller in einem definierten Rohzustand liefert. Den Innenausbau übernimmt der Bauherr selbst oder organisiert ihn eigenständig über Handwerker seiner Wahl. Das spart Lohnkosten und Gewinnmargen des Herstellers, verlangt aber Zeit, handwerkliches Können und eine realistische Selbsteinschätzung.

Was der Hersteller liefert und was Sie selbst übernehmen

Der Begriff Ausbauhaus beschreibt keinen festen Standard, sondern eine Bandbreite. Am unteren Ende steht das Bausatzhaus: Der Hersteller liefert Materialien und Bauelemente, die Montage liegt vollständig beim Bauherrn. Das setzt erhebliche handwerkliche Erfahrung voraus und ist für die meisten Selbstbauer keine realistische Wahl.

Das Rohbauhaus kommt mit fertiger Gebäudehülle, Dach, Fenstern und Außentüren. Alles dahinter ist Baustelle. Das klassische Ausbauhaus geht einen Schritt weiter: Estrich und Innenputz sind teils vorhanden, der Bauherr übernimmt Malerarbeiten, Fliesen und Bodenbeläge. Das Technikhaus schließlich hat alle Installationen fertig eingebaut, Heizung, Elektrik und Sanitär inklusive, und übergibt dem Bauherrn nur noch die Oberflächenarbeiten.

Wichtig ist dabei: Welche Ausbaustufe welche Leistungen konkret umfasst, variiert von Anbieter zu Anbieter erheblich. Der Vertrag muss die Schnittstellen zwischen Herstellerleistung und Eigenleistung eindeutig benennen. Was dort unpräzise steht, wird später teuer.

Was sich wirklich sparen lässt und wie Banken rechnen

Die Ersparnis entsteht dort, wo Sie eigene Arbeitsstunden einsetzen statt Fachbetriebe zu bezahlen. Eingesparte Lohnkosten und Sozialabgaben summieren sich schnell, wenn mehrere Gewerke in Eigenleistung erbracht werden. Auf dem Papier sind Einsparungen von 20 bis 40 Prozent gegenüber einem schlüsselfertigen Haus möglich.

Banken erkennen Eigenleistung als Eigenkapitalersatz an. In der Praxis akzeptieren sie typischerweise bis zu 15 Prozent der Bausumme als sogenannte Muskelhypothek, meist mit einer absoluten Obergrenze. Voraussetzung ist eine nachvollziehbare Aufstellung der geplanten Arbeiten mit realistischen Stundenansätzen. Banken prüfen das genau, und zu optimistische Kalkulationen werden oft zurückgewiesen.

Was unterschätzt wird und teuer werden kann

Aus der Planung kennen wir das Muster: Die Stunden, die ein Fachbetrieb für eine Arbeit benötigt, verdoppeln bis verdreifachen sich bei geübten Laien. Wer das nicht einkalkuliert, sitzt monatelang länger auf der Baustelle als geplant. Jeder Monat Verzögerung bedeutet Bereitstellungszinsen auf den Kredit, weiterlaufende Miete und eine zunehmend belastete Bauherrenpsyche.

Hinzu kommt: Für selbst ausgeführte Arbeiten gibt es keine Gewährleistung des Herstellers. Wer Fehler macht, trägt die Folgekosten allein. Bei einfachen Oberflächen ist das verschmerzbar. Bei Elektrik, Sanitär oder tragenden Konstruktionen kann unsachgemäße Ausführung gefährlich werden oder dazu führen, dass die Versicherung im Schadensfall nicht zahlt. Diese Gewerke gehören in Fachhandwerkerhände mit entsprechender Zulassung.

Bauhelfer aus dem Freundes- und Familienkreis müssen über eine Bauhelferversicherung abgesichert sein. Ein Unfall auf der Baustelle ohne Versicherungsschutz trifft den Bauherrn persönlich. Die Bauherrenhaftpflichtversicherung gehört ebenfalls vor dem ersten Spatenstich abgeschlossen.

Für wen das Ausbauhaus passt

Wer handwerklich sicher ist, ein verlässliches Netzwerk an Helfern hat und die nächsten ein bis zwei Jahre konsequent auf Wochenenden und Urlaub verzichten kann, findet im Ausbauhaus eine echte Möglichkeit zur Kostensenkung. Geeignete Eigenleistungsgewerke sind Maler- und Tapezierarbeiten, Bodenbeläge, einfache Fliesenarbeiten, Trockenbauarbeiten und Innentüren. Fehler in diesen Bereichen sind in der Regel korrigierbar.

Wer dagegen hauptberuflich ausgelastet ist, wenig handwerkliche Erfahrung hat oder auf einen frühen Einzugstermin angewiesen ist, sollte die ehrliche Rechnung aufmachen: Verzögerungskosten, Nachbesserungskosten und die persönliche Belastung zählen genauso zur Kalkulation wie die eingesparte Handwerkerrechnung.

Alle Begriffe von A bis Z

Konkreter Fall?

Reden wir darüber


Ein Lexikonartikel beantwortet die allgemeine Frage. Was er in Ihrem Fall bedeutet, klären wir am besten im Gespräch. Das kostet nichts.

Kontakt aufnehmen +49 711 25515738