Ein Zwischenkredit, manchmal auch Überbrückungskredit genannt, ist ein kurzfristiges Darlehen, das eine finanzielle Lücke schließt: zwischen heute und dem Zeitpunkt, zu dem eine langfristige Finanzierung greift oder ein erwarteter Geldbetrag tatsächlich eintrifft. Er gibt Ihnen die Möglichkeit, zeitkritisch zu handeln, ohne auf eine endgültige Finanzierungslösung warten zu müssen.
Wann ein Zwischenkredit sinnvoll ist
Der häufigste Fall im Remstal: Sie haben Ihr bestehendes Haus noch nicht verkauft, aber eine neue Immobilie steht zum Kauf bereit und wartet nicht. Der Zwischenkredit finanziert den Kauf vor, bis der Verkaufserlös aus dem alten Objekt eingeht. Laufzeiten von sechs bis vierundzwanzig Monaten sind dabei typisch.
Ein zweiter klassischer Anwendungsfall ist die Bausparvorfinanzierung. Ihr Bausparvertrag ist noch nicht zuteilungsreif, die Bausparkasse rechnet mit zwei bis fünf weiteren Jahren. Der Zwischenkredit springt ein, bis die Zuteilung erfolgt; die Bausparraten laufen in dieser Zeit parallel weiter. Das bedeutet: Sie tragen vorübergehend zwei Zahlungsverpflichtungen gleichzeitig.
Konditionen und Kosten
Einen Zwischenkredit bekommen Sie nicht zum gleichen Zinssatz wie eine klassische Baufinanzierung. Banken verlangen einen Risikozuschlag, weil die Rückzahlung von einem Ereignis abhängt, das noch nicht eingetreten ist. In der Praxis liegen die Zinsen ein bis drei Prozentpunkte über einem vergleichbaren langfristigen Darlehen. Die Verzinsung ist häufig variabel, was Sie bei steigendem Zinsniveau zusätzlich belasten kann.
Getilgt wird der Zwischenkredit in der Regel endfällig: Sie zahlen während der Laufzeit nur Zinsen und lösen den gesamten Kreditbetrag am Ende auf einen Schlag ab. Als Sicherheit dient der Bank meistens eine Grundschuld am finanzierten Objekt, ergänzt durch die Abtretung des Bausparvertrags oder des erwarteten Verkaufserlöses.
Die Risiken klar benennen
Der Zwischenkredit funktioniert nur so lange reibungslos, wie der erwartete Geldeingang auch tatsächlich kommt. Zwei Szenarien werden dabei regelmäßig unterschätzt.
Erstens: Der Hausverkauf verzögert sich oder erzielt einen niedrigeren Preis als geplant. Im Remstal können innerhalb derselben Postleitzahl erhebliche Preisunterschiede entstehen: Eine Hanglage am Kappelberg in Fellbach erzielt andere Erlöse als ein vergleichbar großes Objekt an einer Durchgangsstraße. Wer seinen Verkaufserlös zu optimistisch ansetzt, riskiert eine Finanzierungslücke am Ende der Laufzeit.
Zweitens: Bausparverträge werden oft später zugeteilt als ursprünglich erhofft. Aus der Planungspraxis kennen wir Fälle, in denen sich die Zuteilung um ein Jahr oder mehr verschoben hat. Planen Sie daher mindestens sechs Monate Puffer ein.
Was Sie beim Vertrag achten sollten
Halten Sie die Laufzeit so kurz wie realistisch möglich: Ein zu knapper Zeitplan erzeugt Stress, ein zu langer Zeitplan kostet unnötig Zinsen. Wichtig ist das Recht auf Sondertilgung, damit Sie den Kredit sofort ablösen können, sobald der Erlös eintrifft. Achten Sie außerdem darauf, dass keine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt, wenn Sie früher als geplant zurückzahlen. Andernfalls zahlen Sie trotz vorzeitiger Ablösung weiter Zinsen oder sogar eine Strafgebühr.
Wer die Situation zulässt, fährt mit einer anderen Reihenfolge oft günstiger: erst die bestehende Immobilie verkaufen, dann kaufen. Sie vermeiden die Doppelbelastung und verhandeln beim Kauf aus einer sicheren Position. Der Nachteil liegt auf der Hand: Ein Objekt, das Sie wirklich wollen, könnte in der Zwischenzeit verkauft sein. Das ist keine Fachfrage, sondern eine persönliche Abwägung, die Sie nur selbst treffen können.