Immobilien-ABC W

Wärmedämmverbundsystem


Das WDVS ist die verbreitetste Außendämmung – und hat klare Regeln, die über Erfolg oder Schaden entscheiden.

Ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, ist ein mehrschichtiges Dämmsystem für Außenwände: Dämmplatten werden auf den Untergrund geklebt und gedübelt, anschließend mit einer armierten Mörtelschicht überzogen und verputzt. Alle Komponenten stammen aus einem zugelassenen System eines Herstellers. Bei fachgerechter Ausführung hält ein WDVS 25 bis 40 Jahre. Es ist in Deutschland die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Form der Außenwanddämmung, auch im Bestand rund um Fellbach und Waiblingen.

Wie das System aufgebaut ist

Der Untergrund muss tragfähig, trocken und weitgehend eben sein. Unebenheiten von mehr als einem Zentimeter pro Meter sind problematisch und müssen vor dem Kleben ausgeglichen werden. Als Dämmmaterial kommen vor allem vier Typen in Betracht:

  • EPS (expandiertes Polystyrol): günstig, Standard im Wohnungsbau
  • Mineralwolle: nichtbrennbar, daher für viele Brandschutzanforderungen gesetzt
  • Holzfaser: diffusionsoffen, ökologisch, etwas teurer
  • PUR: sehr gute Dämmwirkung bei geringer Dicke, wenn der Platz knapp ist

Übliche Plattendicken liegen zwischen 12 und 24 Zentimetern. Die Klebefläche muss mindestens 40 Prozent betragen, dazu kommt eine Verdübelung nach Windlastberechnung. Auf die Platten folgt eine 3 bis 5 Millimeter starke Armierungsmörtelschicht mit eingebettetem Glasfasergewebe, abschließend ein Oberputz aus mineralischem, Silikat- oder Silikonharzmaterial in verschiedenen Körnungen und Strukturen.

Brandschutz: Was viele unterschätzen

EPS ist normalentflammbar. Deshalb schreibt die Zulassung bei EPS-Systemen umlaufende Brandriegel aus Mineralwolle vor, die jedes Geschoss abschotten und mindestens 20 Zentimeter hoch sein müssen. Über Fenstern und Türen kommen Sturzriegel hinzu. Ab Gebäudeklasse 4 (das sind in der Regel Gebäude mit mehr als vier Vollgeschossen nach LBO Baden-Württemberg) ist schwerentflammbares Material mindestens der Klasse B1 oder nichtbrennbares Material der Klasse A1 vorgeschrieben. Bei Hochhäusern ist EPS generell ausgeschlossen. Wer ein älteres WDVS kauft oder saniert, sollte diese Riegel genau prüfen lassen: Fehlen sie oder sind sie falsch gesetzt, ist das ein ernsthafter Mangel.

Die Detailpunkte, die über Schaden oder Bestand entscheiden

Aus der Planung wissen wir, dass die meisten Schäden an einem WDVS nicht in der Fläche entstehen, sondern an den Anschlüssen. Die Sockelzone muss mindestens 30 Zentimeter hoch mit XPS gedämmt und mit einem Sockelputz versehen sein, der Spritzwasser standhält. An Fensterlaibungen sind 2 bis 4 Zentimeter Dämmung und sauber verklebte Anputzleisten nötig, dazu Fensterbänke mit ausreichend Gefälle und Tropfkante. Balkonplatten brauchen eine thermische Trennung sowie Dämmung an Unterseite und Stirnfläche. Am Dachrand sorgt eine ordentlich ausgebildete Attikaabdeckung mit Tropfkante dafür, dass kein Wasser in das System eindringt.

Kosten und Förderung

Grob kalkuliert müssen Sie für Material, Arbeit und Gerüst mit 120 bis 200 Euro pro Quadratmeter rechnen. Günstige EPS-Systeme liegen am unteren Ende, Mineralwolle oder Holzfaser mit anspruchsvollem Putz am oberen. Für Förderung über das BAFA ist ein U-Wert von maximal 0,20 W/(m²K) einzuhalten, dann gibt es 15 Prozent Zuschuss auf die förderfähigen Kosten, bei vorliegendem individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) kommen weitere 5 Prozentpunkte hinzu. Alternativ ist ein KfW-Kredit mit Tilgungszuschuss möglich. Bei voller Förderausschöpfung amortisiert sich eine gut geplante Maßnahme über die Heizkosteneinsparung in der Regel in 8 bis 12 Jahren.

Qualität und Wartung

Verwenden Sie ausschließlich Systeme mit europäischer technischer Zulassung (ETA) oder allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ). Mischsysteme, also Platten eines Herstellers mit Putz eines anderen, verlieren die Zulassung und damit jede Gewährleistungsbasis. Verarbeitet werden darf nur bei Temperaturen zwischen 5 und 30 Grad Celsius, frostfrei und ohne Regen, und die vorgeschriebenen Standzeiten zwischen den Schichten müssen eingehalten werden. Nach der Fertigstellung empfiehlt sich einmal jährlich eine Sichtkontrolle auf Risse, Abplatzungen und Algenbewuchs. Der Außenanstrich oder Putz sollte alle 10 bis 15 Jahre gereinigt oder renoviert werden, dann ist die Lebensdauer von 40 Jahren realistisch erreichbar.

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