Eine Wärmebrücke ist eine Stelle in der Gebäudehülle, an der Wärme deutlich schneller nach außen abfließt als über die angrenzenden Flächen. Die Innenseite ist dort spürbar kälter, und genau das wird zum Problem: Wo Oberflächen kalt bleiben, kann sich Feuchtigkeit niederschlagen und Schimmel entstehen. Typische Stellen sind auskragende Balkone, Gebäudeecken und schlecht eingebaute Fenster.
Vier Arten, eine Ursache
Je nach Entstehungsgrund unterscheidet man geometrische, konstruktive, materialbedingte und konvektive Wärmebrücken.
Geometrische Wärmebrücken ergeben sich allein aus der Form des Gebäudes. An Außenecken ist die abstrahlende Außenfläche schlicht größer als die wärmeabgebende Innenfläche, weshalb der Punkt dauerhaft kälter bleibt. Konstruktive Wärmebrücken entstehen dort, wo Bauteile die Dämmebene durchdringen: ein Betonbalkon, der aus der Decke herausragt, leitet Wärme direkt nach außen. Materialbedingte Wärmebrücken haben ihre Ursache in ungleichmäßiger Wärmeleitfähigkeit, etwa wenn ein Mörtelsteg in einem Mauerwerk wärmeleitender ist als der umgebende Stein. Konvektive Wärmebrücken schließlich entstehen, wenn Luft durch undichte Stellen zirkuliert und dabei Wärme mitnimmt.
Was das für Ihr Gebäude bedeutet
Aus der Planung kennen wir viele Fälle, in denen Schimmelpilz an der Außenecke eines Schlafzimmers nicht auf falsches Lüften zurückzuführen ist, sondern auf eine konstruktive Schwachstelle, die seit dem Bau besteht. Für Eigentümer, die verkaufen wollen, ist das heikel: Eine bautechnische Ursache für Schimmelspuren muss offengelegt werden. Wer sie verschweigt, riskiert eine Anfechtung des Kaufvertrags.
Daneben steigt der Heizenergiebedarf messbar an. Wie stark, lässt sich über den Energieausweis nicht immer genau herauslesen, weil Wärmebrücken dort oft pauschal angesetzt werden. Ein wärmetechnisches Gutachten gibt mehr Klarheit und kann bei einem geplanten Verkauf den Unterschied zwischen einem verhandlungsfähigen Preis und einem Preisabschlag ausmachen.
Sanierung: Was wirklich hilft
Die wirksamste Lösung ist die Außendämmung. Sie legt die gesamte Dämmebene nach außen und beseitigt geometrische sowie konstruktive Wärmebrücken gleichermaßen. Auskragende Balkone werden dabei entweder abgebrochen und neu mit thermischer Trennung angebaut oder von außen mit einem Wärmedämm-Verbundsystem eingefasst.
Bei Fensteranschlüssen entscheidet die Einbauposition über alles: Das Fenster sollte möglichst in der Dämmebene sitzen, nicht dahinter. Aus der Planungspraxis wissen wir, dass dieser Punkt auf der Baustelle häufig zugunsten von Einfachheit vernachlässigt wird und jahrelang zu Kondenswasser an der Leibung führt.
Für Gebäude im Remstal, wo viele Bestände aus den 1960er bis 1980er Jahren stammen, lohnt eine Begutachtung durch eine Energieberatung oft schon vor dem Entschluss zu sanieren. Die Förderbank Baden-Württemberg und die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschussen solche Maßnahmen, sofern die Detailplanung sauber dokumentiert ist.