Beim Massivbau übernehmen gemauerte oder betonierte Wände gleichzeitig die tragende und die raumabschließende Funktion. Das unterscheidet diese Bauweise grundlegend vom Skelettbau, bei dem ein Gerüst aus Stützen und Trägern die Last aufnimmt und die Außenwände nur als Hülle dienen. Massivbau ist in Deutschland die mit Abstand häufigste Konstruktionsart für Wohngebäude, und das seit Jahrhunderten.
Womit gebaut wird
Die gebräuchlichsten Baustoffe im modernen Massivbau sind Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton und Leichtbetonstein. Daneben werden Ortbeton und Betonfertigteile eingesetzt, vor allem bei Decken, Kellergeschossen und Stützwänden. Welcher Stein zum Einsatz kommt, hängt vom statischen Konzept, vom Schallschutzanforderungen und vom energetischen Ziel ab. Neuere Mauerwerksformate kombinieren Tragfähigkeit und Wärmedämmung in einem einzigen Material, sodass eine zusätzliche Kerndämmung entfallen kann. Die Wanddicke richtet sich nach Statik und den Anforderungen der jeweils geltenden Energieeinsparvorschriften.
Was die Bauweise leistet
Die hohe Masse massiver Bauteile schützt effektiv vor Schall: Trittgeräusche aus dem Obergeschoss und Luftschall aus Nachbarwohnungen werden stärker gedämpft als bei leichteren Konstruktionen. Für den Brandschutz gilt Entsprechendes, Stein und Beton verbrennen nicht. Die thermische Speicherfähigkeit sorgt dafür, dass sich Räume im Sommer langsamer aufheizen und Wärme im Winter länger gehalten wird. Das macht sich im Alltag bemerkbar und beeinflusst die Heizkosten spürbar. Instandhaltungsaufwand entsteht beim massiven Rohbau kaum: Die Konstruktion selbst altert langsam und verändert ihre Eigenschaften nicht.
Was das für Verkauf und Finanzierung bedeutet
Im Remstal, wo ein Großteil des Bestands aus den 1960er- bis 1990er-Jahren stammt, ist Massivbau der Normalfall. Käufer setzen ihn stillschweigend voraus, und Gutachter des Gutachterausschusses beim Rems-Murr-Kreis rechnen bei der Sachwertermittlung mit längeren Gesamt-Nutzungsdauern als bei Leichtbauweise. Banken stufen Massivbauten bei der Beleihung als risikoärmer ein, was sich auf den Beleihungsauslauf auswirken kann. Aus unserer Planerfahrung wissen wir: Umbauten und Grundrissänderungen sind im Massivbau gut möglich, sofern bei der Planung früh geklärt wird, welche Wände tragend sind. Diese Information lässt sich beim Verkauf sinnvoll kommunizieren, weil sie Kaufinteressenten zeigt, wie erweiterbar oder veränderbar ein Objekt ist.