Eine Lüftungsanlage übernimmt mechanisch das, was früher undichte Fenster, Fugen und Wände nebenbei erledigten: frische Luft hinein, verbrauchte Luft hinaus. In modernen, gut gedämmten und luftdichten Gebäuden ist das keine Komfortfrage mehr, sondern eine technische Notwendigkeit. Ohne kontrollierte Lüftung steigt die Luftfeuchtigkeit in Räumen so weit an, dass Schimmel fast unvermeidlich wird.
Drei Systemtypen, drei Anspruchsniveaus
Die einfachste Variante ist die reine Abluftanlage: Sie saugt verbrauchte Luft aus Küche und Bad ab, Frischluft strömt passiv durch Außenwandöffnungen nach. Das funktioniert, spart aber keine Wärme.
Eine Zuluftanlage dreht das Prinzip um und bläst gefilterte Außenluft in die Wohnräume, während die Abluft über Öffnungen entweicht. Auch hier bleibt Wärmerückgewinnung außen vor.
Das technisch ausgereifte System ist die kombinierte Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung. Ein Wärmetauscher überträgt 75–95 Prozent der Wärme aus der Abluft auf die einströmende Frischluft, ohne dass sich die Luftströme dabei vermischen. Für KfW-Effizienzhäuser ist mindestens ein Wirkungsgrad von 80 Prozent vorgeschrieben. Dieses System ist heute der Standard, wenn eine energetische Sanierung oder ein Neubau konsequent auf niedrigen Energiebedarf ausgelegt wird.
Zentral oder dezentral: Was bei Sanierungen oft den Ausschlag gibt
Zentrale Anlagen versorgen das gesamte Gebäude über ein Kanalnetz von einem einzigen Gerät aus. Die Investition in Planung und Installation ist höher, aber Wartung und Steuerung laufen an einer Stelle. Für Neubauten ist das die sauberere Lösung.
Dezentrale Geräte werden direkt in die Außenwand eingebaut, ein Raum pro Gerät, kein Kanalnetz. Aus der Planung kennen wir beide Varianten: Bei Bestandsgebäuden im Remstal, wo nachträgliches Kanalverlegen oft an Deckenhöhen oder Schachtmangel scheitert, sind dezentrale Systeme häufig die einzige umsetzbare Wahl. Die Kosten bewegen sich bei vergleichbarer Qualität in ähnlichen Größenordnungen wie zentrale Lösungen, der Unterschied liegt vor allem in der Installationslogik.
Was eine Anlage kostet und was sie einspart
Eine zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung für ein Einfamilienhaus liegt grob im Bereich von 10.000–25.000 Euro, dezentrale Systeme kommen auf 3.000–8.000 Euro, jeweils abhängig von Gebäudegröße und Ausbaustand.
Auf der Gegenseite stehen Einsparungen von 10–30 kWh pro Quadratmeter und Jahr durch die zurückgewonnene Wärme. Bei einer 150-Quadratmeter-Wohnung kann das 1.500–4.500 kWh jährlich ausmachen. Dazu kommt ein Stromverbrauch der Ventilatoren von 200–500 kWh pro Jahr, der gegen die Heizersparnis zu rechnen ist.
Für die Förderung gibt es zwei Wege: Entweder als Teil einer umfassenden Effizienzhaus-Sanierung über die KfW, oder als Einzelmaßnahme über den BAFA. Eigentümer selbst genutzter Immobilien können die Kosten außerdem nach §35c EStG steuerlich absetzen, 20 Prozent über drei Jahre verteilt.
Betrieb: Was laufend anfällt
Filter müssen je nach Belastung alle drei bis zwölf Monate gewechselt werden. Wer in einer verkehrsreichen Lage wohnt, etwa an einer der Einpendlerstraßen zwischen Waiblingen und Fellbach, wird merken, dass die Filterintervalle kürzer ausfallen als in ruhigeren Lagen. Filterkosten liegen bei 50–150 Euro jährlich. Die Luftdurchlässe werden einmal im Jahr gereinigt, Ventilatoren und Wärmetauscher sollten alle zwei bis drei Jahre geprüft werden. Fachleute empfehlen alle zwei bis drei Jahre eine Hygieneinspektion, um sicherzustellen, dass die zugeführte Luft tatsächlich sauber bleibt. Die gesamten Betriebskosten liegen erfahrungsgemäß bei 300–600 Euro pro Jahr.