Immobilien-ABC K

Klinker


Hartgebrannte Ziegelsteine: langlebig, pflegeleicht und wertbeständig.

Klinker sind Ziegelsteine, die bei besonders hohen Temperaturen gebrannt werden, bis der Ton vollständig versintert. Das Ergebnis ist eine geschlossene, nahezu wasserundurchlässige Oberfläche, die Frost, Schlagregen und Jahrzehnte der Witterung schadlos übersteht. Klinker kommen entweder als tragendes Vollmauerwerk oder als vorgesetzte Verblendschale vor. Obwohl sie historisch eher im norddeutschen und niederländischen Backsteingürtel verbreitet sind, finden sie sich auch im Südwesten als Material an Industrie- und Repräsentationsbauten der Gründerzeit.

Was Klinker von gewöhnlichem Ziegel unterscheidet

Der entscheidende Unterschied liegt im Brandvorgang. Gewöhnlicher Mauerziegel bleibt porös und saugt Wasser auf. Klinker wird so weit erhitzt, dass die Poren sich schließen. Dadurch nimmt er kaum Feuchtigkeit auf, bleibt frostbeständig und verändert seine Farbe über Generationen kaum. Einen Anstrich braucht er nicht, Schimmelpilz findet kaum Ansatzpunkte, und das Material verträgt mechanische Beanspruchung deutlich besser als Putzfassaden.

Die Farbpalette reicht von hellem Gelb über verschiedene Rottöne bis zu fast schwarzen Schattierungen. Brenntemperatur und Tonzusammensetzung bestimmen das Ergebnis, nicht nachträgliche Pigmente. Dadurch bleibt die Farbe auch dann stabil, wenn Sonneneinstrahlung und Regen jahrzehntelang einwirken.

Konstruktive Einbindung: Vollstein oder Vormauerung

Beim zweischaligen Wandaufbau bildet die Klinkerschale eine eigenständige Außenhaut, die mit Luftschicht oder Dämmung vom tragenden Mauerwerk getrennt wird. Diese Hinterlüftung schützt die Konstruktion vor aufsteigender Feuchtigkeit und verbessert die Trocknungsfähigkeit der Wandkonstruktion. Aus der Planung kennen wir Situationen, in denen vermeintlich günstigere Putzfassaden über die Jahrzehnte deutlich höhere Instandhaltungskosten verursacht haben als eine sauber verarbeitete Klinkerschale.

Auch die Verfugung spielt eine Rolle. Fehlerhafte oder ausgewaschene Fugen lassen Wasser hinter die Schale, was zu Frostschäden und Salzausblühungen führen kann. Eine Neuverfugung behebt das Problem zuverlässig, ist aber ein Aufwand, den man bei der Kaufpreiseinschätzung kennen sollte.

Was eine Klinkerfassade für den Verkauf bedeutet

Im Remstal, wo gut gepflegte Bestandsimmobilien aus den 1950er bis 1970er Jahren einen großen Teil des Angebots ausmachen, begegnet uns Klinker vor allem an Industriegebäuden und einzelnen Repräsentationsbauten. Als Kaufargument trägt eine intakte Klinkerfassade klar: Die laufenden Wartungskosten fallen geringer aus als bei gestrichenen oder verputzten Fassaden, was sich in niedrigeren Instandhaltungsrücklagen niederschlägt und beim Verkaufsgespräch ein sachliches Argument liefert.

Worauf Sie als Eigentümer achten sollten:

  • Fugen auf Auswaschungen prüfen, gerade an der Wetterschlagseite
  • Risse im Mauerwerk frühzeitig einschätzen lassen, weil Klinker zwar robust ist, aber Setzungsrisse nicht verbirgt
  • Bei Umbauten oder Anbauten den passenden Klinker beschaffen, denn ältere Formate und Brennchargen lassen sich selten exakt nachmachen
  • Ausblühungen (weißliche Salzflecken) sind in aller Regel harmlos und lassen sich mit geeigneten Mitteln entfernen, können Käufer aber verunsichern
  • Energetische Ertüchtigung ist bei zweischaligen Klinkerwänden technisch möglich, erfordert aber einen erfahrenen Planer, weil die Luftschicht nicht einfach zugeschüttet werden darf

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