Immobilien-ABC K

Kitt


Dichtungsmasse für Glasscheiben: was Kitt ist, wann er versagt und was das beim Verkauf bedeutet

Kitt ist eine plastische Masse, die beim Einbau von Glasscheiben in Holzfensterrahmen den Spalt zwischen Glas und Holz abdichtet und die Scheibe zusätzlich zu den Glasleisten in der Falz hält. Der klassische Leinölkitt besteht aus Leinöl, Kreide und Füllstoffen und härtet nicht durch Trocknen, sondern durch Oxidation aus, ein Prozess, der Wochen dauern kann. Moderne Fenster setzen auf elastische Dichtstoffe oder werksseitig eingebaute Dichtungsbänder, die das gleiche Ergebnis dauerhafter erzielen.

Verarbeitung und Haltbarkeit

Bei traditionellen Holzfenstern wird Kitt mit einem Kittmesser gleichmäßig in die Falz gestrichen und danach mit einem Schutzanstrich versehen. Bleibt dieser Anstrich aus oder wird er über die Jahre nicht erneuert, wird der Kitt spröde, reißt auf und verliert seine abdichtende Wirkung. Feuchtigkeit dringt dann in den Holzrahmen ein, der Rahmen beginnt zu arbeiten, im schlimmsten Fall zu faulen. Gut verarbeiteter und regelmäßig gestrichener Kitt kann viele Jahrzehnte halten. Die Praxis zeigt aber, dass bei Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren, die im Rems-Murr-Kreis einen erheblichen Teil des Bestands ausmachen, die Fensterabdichtungen häufig seit Jahrzehnten keine Pflege mehr erhalten haben.

Was spröder Kitt beim Verkauf auslöst

Rissige Kittfugen sind auf den ersten Blick unscheinbar, haben aber Folgen, die Kaufinteressenten und Gutachter interessieren. Zugluft, erhöhte Heizkosten und sichtbare Feuchtigkeitsschäden am Rahmen können den Wert einer Immobilie drücken, obwohl die Ursache behebbar wäre. Wir weisen Eigentümer, die uns ein Haus mit alten Holzfenstern zur Vermarktung übergeben, gezielt auf diesen Punkt hin: Eine fachgerechte Neuverkittung kostet im Vergleich zu einem Fenstertausch wenig und macht im Exposé einen anderen Eindruck als offensichtliche Mängel.

Denkmalpflege und historische Fenster

Wo eine Baubehörde den Erhalt historischer Fenster vorschreibt, bleibt Leinölkitt das richtige Material. In Fellbach und Waiblingen gibt es Gebäude mit Denkmalschutzauflagen, bei denen ein Tausch der Holzfenster gegen Kunststoff- oder Aluminiumrahmen nicht genehmigt würde. Hier ist die Neuverfugung mit originalem Kitt keine nostalgische Entscheidung, sondern Auflage. Aus der Planung kennen wir Fälle, in denen Eigentümer genau das zunächst nicht wussten und die Kosten für eine spätere Rückrüstung unterschätzt hatten.

Moderne Alternativen

Silikondichtstoffe haben den Leinölkitt im Neubau und bei der Fenstersanierung ohne Denkmalauflagen weitgehend abgelöst. Sie bleiben dauerhaft elastisch, folgen Temperaturschwankungen ohne zu reißen und benötigen keinen Schutzanstrich. Bei Isolierverglasung, Kunststoffrahmen und Aluminiumfenstern sind sie ohnehin gesetzt, weil die Rahmenmaterialien und die Scheibenzwischenräume andere Anforderungen stellen als ein einfacher Holzrahmen mit Einfachverglasung.

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