Gasbeton, im Handel oft als Porenbeton bekannt und durch den Markennamen Ytong geprägt, ist ein mineralischer Baustoff mit einer gleichmäßig porigen Struktur. Er entsteht, wenn ein Gemisch aus Branntkalk, Zement, Quarzsand und Wasser durch Aluminiumpulver aufgeschäumt und anschließend in einem Druckbehälter dampfgehärtet wird. Das Ergebnis ist ein leichter, fester und gut dämmender Mauerstein, der im deutschen Wohnungsbau seit Jahrzehnten weit verbreitet ist.
Herstellung und Wärmedämmung
Der entscheidende Schritt in der Produktion ist die Autoklavierung: Bei rund 180 bis 200 Grad Celsius und einem Druck von 10 bis 12 bar härtet das aufgeschäumte Material zu einem stabilen Stein aus. Die vielen kleinen Luftporen, die dabei entstehen, sind gleichzeitig die Ursache für die guten Dämmeigenschaften des Materials.
Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Rohdichte zwischen 0,08 und 0,21 W/mK. Leichtere Typen mit Rohdichten ab etwa 350 kg/m³ dämmen besonders gut, schwerere Typen ab 600 kg/m³ tragen mehr Last. Ein einschaliges Außenmauerwerk aus Gasbeton, also ohne aufgeklebte Dämmung von außen, kann bei ausreichender Wandstärke die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllen. Aus der Planung kennen wir das als homogenen Wandaufbau, der Wärmebrücken von vornherein weitgehend vermeidet.
Statik, Verarbeitung und Brandverhalten
Gasbeton wird in verschiedenen Druckfestigkeitsklassen hergestellt, von 2 bis 8 N/mm². Für tragende Innenwände kommen höhere Klassen wie PP6 oder PP8 zum Einsatz, für dämmende Außenwände reichen PP2 oder PP4. Verarbeitet werden die Steine mit Dünnbettmörtel in Fugen von nur 1 bis 3 Millimeter Stärke, was Wärmebrücken an den Fugen deutlich reduziert.
Im Brandfall verhält sich Gasbeton vorbildlich: Er ist der Baustoffklasse A1 zugeordnet und damit nicht brennbar. Feuerwiderstandsklassen bis F 180 sind erreichbar, ohne dass dabei giftige Gase entstehen. Das macht ihn für Treppenhauswände und Brandwände geeignet.
Praktisch punktet das Material durch seine einfache Bearbeitbarkeit. Sägen, Fräsen und Schlitzen für Leitungsinstallationen geht zügig und ohne schweres Gerät, was auf der Baustelle Zeit spart.
Was Sie als Eigentümer wissen sollten
Gasbeton hat klare Grenzen: Die Tragfähigkeit ist geringer als bei Normalbeton, und Dübel halten nicht so zuverlässig wie in dichteren Materialien. Schallschutz ist eine weitere Schwäche, da die porige Struktur Schall schlechter dämmt als schwerere Baustoffe. Für den Schallschutz zwischen Wohneinheiten muss das bei der Planung berücksichtigt werden.
Außen braucht Gasbeton immer einen Putz als Witterungsschutz. Bei Bestandsgebäuden im Remstal, wo Gasbetonbauten aus den 1960er bis 1990er Jahren anzutreffen sind, lohnt ein Blick auf den Zustand dieser Putzschicht. Risse oder abplatzende Bereiche sollten zeitnah instandgesetzt werden, sonst zieht Feuchtigkeit in den porigen Stein. Besonders am Sockel, wo Spritzwasser auftrifft, sehen wir in der Praxis häufiger Schäden. Nachträgliche Dämmung von außen ist bei älteren Gasbetonwänden grundsätzlich möglich und verbessert die Energiebilanz für den Energieausweis spürbar.
Wenn Sie eine Immobilie mit Gasbetonwänden verkaufen oder bewerten lassen wollen: Wandstärken und Rohdichteklasse sind relevante Angaben im Exposé, weil sie die Bauart und den energetischen Standard des Hauses beschreiben. Der Gutachterausschuss des Rems-Murr-Kreises, für Fellbach der eigene städtische Ausschuss, berücksichtigt die Bauweise bei der Verkehrswertermittlung indirekt über den Baujahres- und Zustandsabschlag.