Immobilien-ABC F

Fachwerkhaus


Holzskelett, Lehm und Geschichte: Was ein Fachwerkhaus für Eigentümer heute bedeutet

Ein Fachwerkhaus ist ein Gebäude, dessen tragendes Gefüge aus einem sichtbaren Holzskelett besteht: senkrechte Ständer, waagerechte Riegel und diagonale Streben bilden das statische Rückgrat. Die Zwischenfelder, die sogenannten Gefache, werden mit Lehm auf Flechtwerk, mit Ziegelmauerwerk oder bei jüngeren Sanierungen mit modernen Dämmstoffen gefüllt. Diese Bauweise prägt viele historische Ortskerne und steht häufig unter Denkmalschutz. Für Eigentümer bedeutet das: besonderer Charakter auf der einen, besonderer Aufwand auf der anderen Seite.

Was die Konstruktion von anderen Gebäuden unterscheidet

Bei einem konventionellen Mauerwerkshaus trägt die Wand. Beim Fachwerkhaus trägt der Balken. Die Verbindungen wurden traditionell durch präzise Holzverbindungen hergestellt, Zapfen und Schlitze ohne Metallteile. Das Ergebnis ist ein Skelett, das sich unter Last geringfügig bewegt und damit anders auf Feuchte und Temperaturschwankungen reagiert als ein starres Mauerwerk.

Regionale Stile sind deutlich voneinander zu unterscheiden. Die süddeutsche Fachwerkbauweise, wie sie im Remstal und im weiteren württembergischen Raum anzutreffen ist, unterscheidet sich in Proportion, Detailausbildung und Ornamentik von norddeutschen Hallenhäusern. Bearbeitete Balkenköpfe, farbige Anstriche und aufwendige Ausmauerungen verweisen auf Entstehungszeit und Wohlstand des Bauherrn.

Kauf und Bewertung: Was Sie vor der Unterschrift wissen sollten

Eine Besichtigung mit dem bloßen Auge reicht bei einem Fachwerkhaus nicht aus. Holzschäden durch Feuchtigkeit, Schädlingsbefall oder stille statische Veränderungen sind von außen oft nicht erkennbar, treiben die Sanierungskosten aber in erhebliche Höhen. Unser Architekt kennt aus der Planung zahlreicher Altbauvorhaben die Stellen, an denen solche Schäden zuerst auftauchen: Schwellenbalken an der Erdzone, Balkenköpfe unter undichten Regenrinnen, Anschlüsse an jüngere Anbauten.

Für eine belastbare Werteinschätzung brauchen Sie einen Sachverständigen mit konkreter Fachwerkexpertise, keine allgemeine Wertermittlung. Der Verkehrswert hängt stark vom Zustand, vom Denkmalstatus und von der Lage ab. Gut erhaltene Objekte in gesuchten Lagen erzielen Premiumpreise, weil die Käufergruppe klein, aber zahlungskräftig ist. Sanierungsbedürftige Häuser sind dagegen schwer zu vermitteln, sofern der Sanierungsumfang nicht transparent gemacht wird.

Sanierung: Feuchtigkeit ist der Hauptgegner

Die häufigste Schadensursache bei Fachwerkhäusern ist Feuchtigkeit. Aufsteigende Nässe aus dem Boden, undichte Dächer oder defekte Entwässerung führen zu Holzfäule und Schädlingsbefall, wenn sie über Jahre unbemerkt bleiben. Fachgerechte Sanierung beginnt deshalb immer mit der Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle, erst dann werden beschädigte Hölzer ausgetauscht oder repariert.

Wo Denkmalschutz besteht, schreibt die zuständige Behörde häufig historische Materialien und Techniken vor. In Fellbach und Waiblingen ist die untere Baurechtsbehörde der jeweiligen Stadt Ihre erste Anlaufstelle. Für Objekte in Kernen im Remstal ist das Landratsamt Rems-Murr-Kreis zuständig. Holzschutzmittel werden in denkmalgerechter Sanierung nur eingesetzt, wo sie unbedingt erforderlich sind.

Energetik im Fachwerkhaus: eng, aber lösbar

Wer ein Fachwerkhaus auf moderne Energiestandards bringen will, stößt schnell auf das Grundproblem: Die Fassade ist das Denkmal, eine Außendämmung scheidet daher fast immer aus. Bleibt die Innendämmung, die Wohnfläche kostet und sorgfältige Planung verlangt. Der Taupunkt verschiebt sich ins Bauteil, was bei falscher Ausführung zu Kondensatschäden führt.

Aus der Planung kennen wir einige Ansätze, die gut funktionieren: kapillaraktive Dämmsysteme auf Kalziumsilikat- oder Holzfaserbasis, kombiniert mit einer kontrollierten Lüftungsanlage. Bei der Heizung erweisen sich Flächen- oder Wandheizungen als vorteilhafter als konventionelle Heizkörper, weil sie mit niedrigeren Vorlauftemperaturen auskommen.

Förderung und Finanzierung: Was Sie beantragen können

Für denkmalgeschützte Objekte gibt es in der Regel mehrere Förderkanäle. Wichtig ist, dass Anträge vor Baubeginn gestellt werden, sonst verfällt der Anspruch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Steuerliche Sonderabschreibungen nach §§ 7i und 10g EStG ermöglichen erhöhte Abzüge für Sanierungskosten an Baudenkmälern.
  • KfW-Programme für Effizienzgebäude Denkmal setzen einen vorab abgestimmten Sanierungsplan voraus.
  • Zuschüsse der Denkmalschutzbehörden sind möglich, aber an denkmalpflegerische Auflagen gebunden.
  • Banken verlangen bei Fachwerkobjekten häufig höhere Eigenkapitalquoten, weil die Sanierungsrisiken schwerer kalkulierbar sind. Eine detaillierte Kostenschätzung durch einen Fachkundigen verbessert Ihre Verhandlungsposition spürbar.
  • Wer das Objekt vermietet, kann Sanierungskosten auf zwölf Jahre verteilt abschreiben, sofern die Denkmalvoraussetzungen erfüllt sind.

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