Immobilien-ABC D

Dachausbau


Ungenutztes Dachgeschoss zu Wohnraum machen: Was es kostet, was erlaubt ist und wann es sich rechnet.

Beim Dachausbau wird ein bisher ungenutztes Dachgeschoss zu vollwertigem Wohnraum umgebaut. Das klingt nach einer einfachen Erweiterung von innen, bedeutet in der Praxis aber einen umfassenden Eingriff in Statik, Dämmung, Haustechnik und oft auch ins Planungsrecht. Wer das realistisch einschätzt, trifft bessere Entscheidungen über Budget und Zeitplan.

Was das Dach mitbringen muss

Bevor Sie in Planung investieren, lohnt ein nüchterner Blick auf die Bausubstanz. Entscheidend ist zuerst die Raumhöhe: Ab einem Kniestock von etwa einem Meter und einer Firsthöhe, die mindestens 2,30 Meter Stehhöhe erlaubt, besser 2,50 Meter, wird ein Ausbau praktisch nutzbar. Flache Dachneigungen unter 35 Grad lassen kaum sinnvolle Grundrisse zu; gut geeignet sind Dächer ab etwa 45 Grad.

Die Dachkonstruktion muss die zusätzlichen Lasten tragen können. Sparren und Kehlbalken sind für reinen Speicher ausgelegt, nicht für bewohnten Raum mit Estrich, Möbeln und Haustechnik. Ein Statikgutachten ist deshalb keine Empfehlung, sondern eine Voraussetzung. Wir erleben in der Planung regelmäßig, dass erst dabei sichtbar wird, was an Verstärkungen nötig ist.

Ebenfalls zu prüfen: Ist die Eindeckung dicht, ist das Holz des Dachstuhls trocken und frei von Schädlingen? Ein Dach-Check durch einen Fachbetrieb gehört ans Anfang, nicht ans Ende der Überlegung.

Genehmigung und Baurecht im Remstal

Der Schritt von Lagerraum zu Wohnraum ist eine Nutzungsänderung, die eine Baugenehmigung erfordert. Das gilt auch dann, wenn Sie von außen nichts verändern. Eingereicht wird der Bauantrag in der Regel über ein Architekturbüro.

In Fellbach und Waiblingen als Großen Kreisstädten ist die untere Baurechtsbehörde der jeweiligen Stadtverwaltung zuständig. Für Kernen im Remstal liegt die Zuständigkeit beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis. Vor einem förmlichen Antrag lohnt eine Bauvoranfrage, die meist deutlich schneller und günstiger Klarheit schafft.

Der Bebauungsplan regelt, ob und wie Gauben oder Dachflächenfenster zulässig sind: Anzahl, Größe und Gestaltung sind dort oft verbindlich festgelegt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommen zusätzliche Auflagen hinzu. Was viele unterschätzen: Der Brandschutz stellt eigene Anforderungen an Fluchtwege, Treppenbreite und Rauchmelder, die sich auf den Grundriss auswirken können.

Dämmung, Fenster und Technik

Eine ordentliche Dämmung ist beim Dachausbau keine Küraufgabe, sondern Pflicht nach den aktuell geltenden Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Zwischen Aufsparren-, Zwischen- und Untersparrendämmung gibt es je nach Sparrenhöhe und Dachaufbau unterschiedlich gute Lösungen. Die Kombination aus Zwischen- und Untersparrendämmung ist häufig der praktikable Kompromiss. Eine Dampfbremse auf der Innenseite gehört in jedem Fall dazu.

Für Tageslicht sorgen entweder Dachflächenfenster oder Gauben. Dachflächenfenster sind einfacher zu montieren und kostengünstiger; Gauben schaffen Stehhöhe am Rand und damit spürbar mehr nutzbaren Grundriss, sind aber teurer und benötigen eine Baugenehmigung. Als Richtwert gilt eine Lichtfläche von etwa 10 bis 15 Prozent der Grundfläche.

Bei der Haustechnik sind Heizung, Elektrik und gegebenenfalls ein Bad zu planen. Ob die bestehende Heizanlage das zusätzliche Geschoss versorgen kann, muss ein Fachbetrieb beurteilen. Für die Lüftung gilt: Ein ausgebautes Dachgeschoss mit guter Dämmung braucht entweder eine kontrollierte Lüftungsanlage oder konsequentes Querlüften, sonst entsteht Schimmel.

Kosten und was Sie davon erwarten können

Die Spanne ist groß: Für einfachen Standard rechnen Sie mit etwa 600 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter, für mittlere Ausstattung mit 1.000 bis 1.500 Euro, bei gehobenem Standard mit bis zu 2.500 Euro. Für ein Dachgeschoss von 60 Quadratmetern können das also zwischen 60.000 und 150.000 Euro sein. Planen Sie zusätzlich eine Reserve von 10 bis 20 Prozent ein, denn Überraschungen sind bei dieser Art von Umbau häufig.

Fördermittel sind vorhanden: KfW-Kredite für energieeffizientes Sanieren und BAFA-Zuschüsse für erneuerbare Heizenergie greifen auch beim Dachausbau, sofern die Anforderungen erfüllt sind. Wichtig ist, den Antrag vor Baubeginn zu stellen.

Für die Wirtschaftlichkeit zählt letztlich, was der neue Wohnraum wert ist. Im Remstal liegen die Bodenrichtwerte in Fellbach, Kernen und Waiblingen am oberen Ende des Kreises, und auch die erzielbaren Mieten und Verkaufspreise spiegeln die Nähe zu Stuttgart. Ein gut ausgebautes Dachgeschoss erhöht den Marktwert einer Immobilie spürbar. Ob sich der Aufwand rechnet, hängt vom konkreten Objekt ab: Lage, Ausgangszustand und Ausbaustandard entscheiden mehr als jede Faustformel.

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