Immobilien-ABC A

Anbau


Wie ein Anbau Wohnfläche schafft, was er kostet und worauf Eigentümer achten müssen

Ein Anbau ist eine dauerhaft mit dem Bestandsgebäude verbundene bauliche Erweiterung, die zusätzliche Nutz- oder Wohnfläche schafft. Typische Formen sind Wintergärten, Garagen, Wohnraumerweiterungen oder Hauswirtschaftsräume. Die Bauweise reicht vom massiven Mauerwerk über Beton bis zum Holzrahmenbau oder Fertigelement. Ob eingeschossig oder mehrgeschossig: Was auf dem Grundstück möglich ist, hängt vom Bebauungsplan und den örtlichen Abstandsflächenregeln ab.

Was baurechtlich gilt

In Baden-Württemberg richtet sich die Genehmigungspflicht nach der Landesbauordnung (LBO BW). Kleinere Anbauten können in bestimmten Fällen verfahrensfrei sein, doch das ist die Ausnahme. Im Zweifel lohnt eine Bauvoranfrage, bevor Planungskosten entstehen.

Die LBO schreibt Abstandsflächen vor, in der Regel mindestens 2,5 bis 3 Meter zur Grundstücksgrenze. Soll der Anbau an die Grenze rücken, brauchen Sie die schriftliche Zustimmung Ihres Nachbarn. Pflichtlektüre vor dem ersten Gespräch mit dem Planer ist außerdem der Bebauungsplan: Grundflächenzahl (GRZ) und Geschossflächenzahl (GFZ) begrenzen, wie viel der Grund bereits bebaut ist und wie viel noch zulässig bleibt. Wer diese Reserven nicht prüft, plant unter Umständen ins Leere.

Für die Baugenehmigung ist in Fellbach und Waiblingen die jeweilige untere Baurechtsbehörde der Stadt zuständig. Für Vorhaben in Kernen im Remstal wenden Sie sich ans Landratsamt Rems-Murr-Kreis.

Wer eine Eigentumswohnung besitzt, braucht zusätzlich einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft, weil ein Anbau in der Regel Gemeinschaftseigentum berührt. Unter Umständen muss die Teilungserklärung notariell angepasst und neu ins Grundbuch eingetragen werden. Das Grundbuchamt ist seit 2017 zentral beim Amtsgericht Waiblingen geführt.

Planung und Ausführung

Aus der Planung kennen wir das häufigste Sorglosigkeitsproblem: die Anschlussfuge zwischen Alt und Neu. Wenn Statik, Abdichtung und Wärmedämmung an dieser Stelle nicht sauber gelöst sind, entstehen Risse, Feuchtigkeitsschäden und Schimmel. Ein Tragwerksplaner sollte früh prüfen, ob das Bestandsgebäude die zusätzlichen Lasten aufnehmen kann.

Die Leitungsführung für Wasser, Abwasser, Strom und Heizung ist im Altbauanschluss oft aufwendiger als zunächst gedacht. Je früher das mit den Versorgern und den ausführenden Handwerkern abgestimmt wird, desto weniger Überraschungen gibt es beim Rohbau.

Beim energetischen Standard gibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) den Rahmen vor. Das gilt für den Anbau als neuen Bauteil, auch wenn das Bestandsgebäude älter und weniger gut gedämmt ist.

Die gestalterische Verbindung zum Bestandsgebäude muss keine Kopie sein. Kontrastierende Architektur mit Flachdach oder Holzverkleidung kann gut funktionieren. Entscheidend ist, dass Dachform, Traufhöhe und Materialwahl bewusst gewählt und nicht dem Zufall überlassen werden.

Kosten im Überblick

Leichtbauanbauten in Holzrahmenkonstruktion oder als Fertigelement liegen erfahrungsgemäß im Bereich von 1.200–1.800 EUR je Quadratmeter Nutzfläche. Massive Anbauten in Mauerwerk oder Beton kosten je nach Ausstattung und Ausbaustandard 2.000–3.500 EUR pro Quadratmeter. Dazu kommen Planungshonorare, Genehmigungsgebühren, Erschließungsarbeiten und Außenanlagen. Rechnen Sie dafür pauschal 15–25 Prozent der reinen Baukosten ein. Eigenleistung ist im Innenausbau möglich, bei Elektrik, Sanitär und statisch relevanten Arbeiten aber nicht sinnvoll und teils unzulässig.

Einen Kostenpuffer von 15–20 Prozent sollten Sie grundsätzlich einplanen. Versteckte Schäden am Bestandsgebäude, gestiegene Materialpreise und nötige Sanierungsarbeiten an der Anschlussstelle tauchen regelmäßig auf und sprengen enge Budgets.

Beispielrechnung: Massiver Anbau in Fellbach

Ein Einfamilienhaus in Fellbach soll um einen 25 m² großen Wohnraum erweitert werden, massiv gebaut mit zeitgemäßer Dämmung und Fußbodenheizung:

  • Rohbau und Ausbau (2.600 EUR/m²): 65.000 EUR
  • Nebenkosten Planung, Genehmigung, Erschließung (20 %): 13.000 EUR
  • Puffer für Unvorhergesehenes (15 %): rund 10.000 EUR
  • Gesamtansatz: rund 88.000 EUR

Ein gut ausgeführter Anbau kann den Verkehrswert der Immobilie spürbar steigern. Bei Bodenrichtwerten von bis zu 610 EUR/m² im Fellbacher Stadtgebiet und entsprechend hohen Liegenschaftszinsen im Remstal zahlt sich die Investition bei einem geplanten Verkauf oft aus, sofern die zusätzliche Fläche marktgängig ist und zur Lage passt.

Häufige Fehler

Wer ohne Baugenehmigung baut, riskiert Bußgelder, eine Nutzungsuntersagung oder im schlimmsten Fall eine Rückbauverfügung. Das trifft auch Käufer, die ein Objekt mit ungenehmigtem Anbau erwerben. Lassen Sie baurechtliche Fragen daher vor Baubeginn klären, nicht danach.

Unterschätzt wird auch der Versicherungsaspekt: Während der Bauphase sollte eine Bauleistungsversicherung abgeschlossen sein. Die Wohngebäudeversicherung greift bei Rohbauten in der Regel nicht automatisch.

Alle Begriffe von A bis Z

Konkreter Fall?

Reden wir darüber


Ein Lexikonartikel beantwortet die allgemeine Frage. Was er in Ihrem Fall bedeutet, klären wir am besten im Gespräch. Das kostet nichts.

Kontakt aufnehmen +49 711 25515738