Immobilien-ABC W

Warmdach


Dämmung direkt unter der Dachhaut, ohne Luftschicht – kompakt, aber anspruchsvoll in der Ausführung.

Ein Warmdach ist eine nicht belüftete Dachkonstruktion, bei der die Wärmedämmung unmittelbar unter der Dachabdichtung liegt. Es gibt keine Luftschicht, die Feuchtigkeit abführen könnte. Das macht die Bauweise platzsparend und konstruktiv schlank, stellt aber hohe Anforderungen an die handwerkliche Sorgfalt.

Schichtenfolge und die Rolle der Dampfbremse

Von innen nach außen besteht ein Warmdach aus der Tragkonstruktion (Holz, Beton oder Stahl), einer Dampfbremse, der Wärmedämmung und der Dachabdichtung. Den Abschluss bildet ein Oberflächenschutz aus Kiesschüttung, Begrünung oder einer hochwertigen Abdichtungsbahn.

Die Dampfbremse ist das neuralgische Element dieser Konstruktion. Wasserdampf aus dem Innenraum will durch Temperaturgefälle nach außen diffundieren. Ohne funktionsfähige Bremse gelangt er in die Dämmschicht, kondensiert dort und setzt die Dämmwirkung außer Kraft. Im schlechtesten Fall entstehen Schimmel und Bauschäden, die erst nach Jahren sichtbar werden. Aus der Planung kennen wir Fälle, in denen eine einzige unsorgfältig verklebte Durchdringung ausgereicht hat, um einen kompletten Dachaufbau dauerhaft zu schädigen.

Wo das Warmdach eingesetzt wird

Das Warmdach ist die Standardlösung für Flachdächer im Wohn- und Gewerbebau. Gründächer werden fast ausschließlich als Warmdach ausgeführt, weil die Begrünung eine eigene Belüftungsebene überflüssig macht. Auch Garagen und Carports mit Flachdach folgen diesem Prinzip.

Der entscheidende Vorteil gegenüber dem belüfteten Kaltdach liegt in der geringeren Aufbauhöhe. Wer auf einem Bestandsgebäude energetisch saniert, oft als Aufdachdämmung auf der alten Dachhaut ausgeführt, gewinnt mit dem Warmdach mehr lichten Raum als mit einer Kaltdachkonstruktion.

Was die Bauweise anfällig macht

Weil keine Belüftungsebene Fehler ausgleichen kann, ist Präzision bei der Ausführung Pflicht. Alle Anschlüsse an Wände, Aufbauten und Durchdringungen müssen luftdicht verklebt sein. Kleine Lücken, die bei einem Kaltdach folgenlos bleiben, können hier langfristig großen Schaden anrichten.

Für die Dachabdichtung selbst gelten ebenfalls strenge Anforderungen: ausreichende UV-Beständigkeit, mechanische Festigkeit gegen Hagel und gelegentliche Begehung sowie Wurzelfestigkeit bei begrünten Dächern. Die Dichtigkeit sollte alle fünf bis zehn Jahre geprüft werden. Ob die Dampfbremse noch intakt ist, lässt sich mit einem Blower-Door-Test überprüfen.

Warmdach bei der energetischen Sanierung im Remstal

Viele der Bestandsgebäude in Fellbach, Kernen und Waiblingen wurden in den 1960er bis 1980er Jahren mit Flachdächern errichtet, deren Dämmung heutigen Anforderungen nicht mehr genügt. Eine Aufdachdämmung als Warmdachaufbau ist hier häufig der wirtschaftlichste Weg: Die neue Dampfbremse kommt auf die alte Dachhaut, die Dämmschicht darüber, und anschließend folgt eine neue Abdichtung. Vor der Planung ist die Tragfähigkeit der bestehenden Konstruktion zu prüfen, denn das zusätzliche Gewicht ist nicht immer selbstverständlich beherrschbar.

Häufige Frage:

Mein Flachdach aus den 1970ern soll saniert werden. Der Handwerker empfiehlt ein Warmdach, ein anderer rät zu einem Kaltdach. Woran erkenne ich, was für mein Gebäude passt?

Beide Empfehlungen können richtig sein, das hängt vom Bestand ab. Wenn die alte Dachhaut noch dicht und tragfähig ist, spricht vieles für eine Aufdachdämmung als Warmdachaufbau: wenig Eingriff in die Substanz, geringere Aufbauhöhe, überschaubare Kosten. Ist die alte Abdichtung jedoch marode oder die Tragkonstruktion feucht, lohnt es sich, beides zu öffnen und den Zustand zu beurteilen. Unser Architekt schaut sich solche Situationen im Zweifelsfall vor Ort an, bevor eine Empfehlung ausgesprochen wird. Eine Entscheidung allein auf Basis von Fotos oder Plänen wäre hier zu riskant.

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