Immobilien-ABC V

Verbrauchsausweis


Energieausweis auf Basis echter Verbrauchsdaten: schnell und günstig, aber mit Tücken

Der Verbrauchsausweis ist eine der zwei gesetzlich zugelassenen Varianten des Energieausweises. Statt das Gebäude rechnerisch zu analysieren, wertet er die echten Verbrauchsdaten der letzten drei Heizperioden aus. Das macht ihn schnell und preiswert, aber seine Aussagekraft hängt davon ab, wie die Bewohner in dieser Zeit tatsächlich geheizt haben.

Wann er zulässig ist und was er abbildet

Als Datenbasis dienen die Abrechnungen für Heizung und Warmwasser der zurückliegenden drei Jahre. Um jahreszeitliche Schwankungen herauszurechnen, wird der erfasste Verbrauch auf ein klimatisches Durchschnittsjahr normiert. Das Ergebnis ist ein Kennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, der auf der Farbskala des Ausweises eingeordnet wird.

Nicht jedes Gebäude darf auf diese Weise bewertet werden. Für Wohnhäuser mit weniger als fünf Wohneinheiten, die vor dem 1. November 1977 gebaut wurden und den damaligen Wärmeschutzanforderungen nicht entsprechen, schreibt das Gebäudeenergiegesetz zwingend den aufwändigeren Bedarfsausweis vor. Für viele Bestandsgebäude im Remstal, gerade die gut sanierten Nachkriegsbauten in Fellbach oder Kernen im Remstal, ist der Verbrauchsausweis hingegen problemlos möglich.

Was er kostet und was er bringt

Der Verbrauchsausweis ist deutlich günstiger als der Bedarfsausweis. Mit 50–100 Euro ist er für die meisten Eigentümer der erste Griff. Er lässt sich rasch ausstellen, weil kein Aufmaß und keine Baukonstruktionsanalyse nötig sind. Wer die Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre vorliegen hat, kann den Prozess in wenigen Tagen abschließen.

Für Kaufinteressenten zeigt er, was das Gebäude unter den bisherigen Bewohnern tatsächlich verbraucht hat. Das ist für viele aussagekräftiger als ein theoretischer Rechenwert, solange man die Einschränkungen kennt.

Wo er trügt

Das ist die Kehrseite: Ein sparsames Rentnerpaar heizt anders als eine vierköpfige Familie, die jeden Raum auf 22 Grad hält. Der Kennwert bildet das Nutzerverhalten ab, nicht den baulichen Zustand des Gebäudes. War die Immobilie in den letzten drei Jahren teilweise leer, fehlt die Datenbasis vollständig, und der Ausweis verliert jede Aussagekraft.

Wenn Sie ein älteres Haus verkaufen, das baulich wenig gedämmt ist, aber von genügsamen Eigentümern bewohnt wurde, kann ein Verbrauchsausweis günstiger aussehen, als der Zustand der Hülle rechtfertigt. Käufer, die später mit anderen Gewohnheiten einziehen, erleben dann eine böse Überraschung. Wir weisen Eigentümer in solchen Fällen offen darauf hin, weil ein zu optimistischer Ausweis beim Käufer früher oder später Misstrauen erzeugt.

Was beim Verkauf gilt

Beim Immobilienverkauf müssen Sie den Energieausweis spätestens bei der Besichtigung vorlegen, sonst droht ein Bußgeld. Welche Variante Sie wählen, sofern Sie die Wahl haben, bleibt Ihnen überlassen. In der Praxis reicht der Verbrauchsausweis für den Verkauf eines gut vermieteten Mehrfamilienhauses völlig aus. Bei einem älteren Einfamilienhaus, das Sie selbst bewohnt haben, lohnt ein kurzes Gespräch darüber, ob der Bedarfsausweis am Ende nicht das ehrlichere Dokument ist.

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