Bei der Unterputz-Installation werden elektrische Leitungen, Wasserrohre und Heizungsleitungen in Wandschlitze eingelassen und anschließend verputzt. An der fertigen Wand sind nur noch Schalter, Steckdosen und Anschlüsse sichtbar. Das ist der wesentliche Unterschied zur Aufputz-Variante, bei der Leitungskanäle offen an der Wandoberfläche verlaufen.
Wo dürfen Schlitze liegen?
Die DIN 18015 legt fest, in welchen Bereichen einer Wand Schlitze für Leitungen zulässig sind. Waagerecht sind das die Zonen bis 30 Zentimeter unterhalb der Decke und oberhalb des Fußbodens, senkrecht ein Streifen von 15 Zentimetern entlang von Raumecken, Türen und Fenstern. Diagonale Schlitze sind grundsätzlich nicht erlaubt.
Bei tragenden Wänden gelten besondere Einschränkungen. Längsschlitze dürfen höchstens ein Drittel der Wandstärke tief sein, Querschlitze sind in der Regel ganz verboten oder nur mit einem Statiknachweis zulässig. Das ist ein Punkt, den unser Architekt bei Sanierungsvorhaben im Remstal immer früh abklärt: Wer in einem der vielen Massivbauten der Fünfziger- und Sechzigerjahre in Fellbach oder Waiblingen nachträglich Leitungen verlegen will, stößt an tragenden Wänden schnell an statische Grenzen.
Ausführung: was dabei zu beachten ist
Schlitze werden entweder mit einer Mauernutfräse gezogen (sauber, wenig Staub) oder bei geringem Umfang mit dem Meißel gestemmt. Die Leitungen werden mit Schellen fixiert; bis zum Verschließen des Schlitzes muss eine Putzüberdeckung von mindestens 15 Millimetern sichergestellt sein. Unterputzdosen werden mit einer Dosenfräse auf das Standardmaß von 68 Millimetern eingebracht.
Vor dem Verputzen sollte eine Fachkraft die Verlegung prüfen. Wichtig ist auch eine fotografische Dokumentation der Leitungsführung, bevor die Wand geschlossen wird. Diese Fotos sind bei späteren Renovierungen oder im Verkaufsfall wertvolle Unterlagen, denn ohne sie lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wo genau Leitungen verlaufen.
Was kostet das, und wann lohnt es sich?
Bei einem Neubau oder einer Kernsanierung liegen die Kosten für eine vollständige Elektroinstallation in Unterputz-Ausführung grob zwischen 80 und 120 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Im Altbaubestand, wo mehr Aufwand für Schlitze und Schutzmaßnahmen anfällt, können es 100 bis 180 Euro sein. Eine vergleichbare Aufputz-Installation ist mit 50 bis 80 Euro deutlich günstiger. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das Mehrkosten von grob 3.000 bis 6.000 Euro.
Für einen Neubau oder eine umfassende Sanierung ist Unterputz die klare Wahl: Das Ergebnis sieht besser aus, die Leitungen sind geschützt, und ein sauber saniertes Haus erzielt beim Verkauf im Remstal erkennbar bessere Preise als eines mit sichtbaren Kabelkanälen. Bei einer Immobilie mit erhaltenswerten Oberflächen, denkmalgeschützter Substanz oder wenn nur einzelne Bereiche nachgerüstet werden sollen, kann Aufputz dagegen die sinnvollere Lösung sein. Fehlersuche und Nachinstallation sind bei Unterputz aufwändiger; das sollten Sie bei der Entscheidung einrechnen.