Die Traufe ist die untere, waagerechte Abschlusskante eines geneigten Daches. Hier läuft das Regenwasser ab und wird über die Dachrinne kontrolliert vom Gebäude weggeleitet. Der Begriff klingt nach reiner Bautechnik, spielt aber auch baurechtlich eine Rolle: In vielen Bebauungsplänen im Rems-Murr-Kreis ist die Traufhöhe eine der zentralen Festsetzungen, die darüber entscheidet, wie hoch ein Gebäude werden darf.
Aufbau und Funktion
An der Traufe treffen mehrere Bauteile zusammen. Die Dachsparren enden dort an einer Traufbohle, die die Sparrenköpfe abschließt. Ein Traufblech leitet das ablaufende Wasser sicher in die Dachrinne, ohne dass es die Fassade benetzt oder am Sockel einzieht. Für Dachdeckungen mit Ziegeln ist außerdem die Hinterlüftung an der Traufe wichtig: Kleine Lüftungsöffnungen sorgen dafür, dass Feuchtigkeit aus der Dachkonstruktion entweichen kann, was Schimmel und Fäulnis an den Sparren vorbeugt.
Die häufigsten Wartungsprobleme entstehen genau hier. Verstopfte Dachrinnen, korrodierte Traufbleche und fehlende oder blockierte Lüftungsöffnungen sind aus der Planung bekannte Schwachstellen, die bei älteren Häusern im Remstal regelmäßig auftauchen. Wenn Sie ein Haus verkaufen wollen, lohnt ein Blick auf diesen Bereich vor der Besichtigung.
Dachüberstand
Wie weit das Dach an der Traufe über die Fassade hinausragt, ist eine gestalterische und funktionale Entscheidung zugleich. Kurze Überstände von 20–40 cm wirken modern und schlicht, lassen die Fassade aber stärker dem Regen ausgesetzt. Der mittlere Bereich von 40–80 cm ist bei klassischen Wohnhäusern üblich und bietet einen guten Kompromiss aus Optik und Schutzwirkung. Größere Überstände, wie man sie von Alpenhäusern kennt, halten Regen und Schlagregen besonders weit von Fassade, Fenstern und Sockel fern.
Traufhöhe im Bebauungsplan
Für Eigentümer, die an- oder umbauen wollen, ist die Traufhöhe der praktisch wichtigste Aspekt. Sie wird im Bebauungsplan häufig als Maximalmaß festgesetzt und von der Geländeoberfläche bis zur Oberkante der Außenwand am Dachansatz gemessen. Dieses Maß begrenzt indirekt die Geschosszahl und beeinflusst, welche Dachneigung überhaupt möglich ist: Ein steileres Dach braucht mehr Platz in der Höhe, bevor die Traufe ansetzt.
In Fellbach und Waiblingen als Große Kreisstädte ist für Fragen zur baurechtlichen Zulässigkeit die jeweilige untere Baurechtsbehörde vor Ort zuständig. Für Kernen im Remstal liegt diese Zuständigkeit beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis. Ob eine geplante Änderung am Dach mit der festgesetzten Traufhöhe vereinbar ist, klärt sich dort, bevor ein Bauantrag gestellt wird.