Als Oberleitung bezeichnet man die sichtbare Verlegung von Leitungen auf der Oberfläche von Wänden oder Decken, ohne die Wandsubstanz aufzuschlitzen. Das Gegenteil ist die Unterputzinstallation, bei der Rohre und Kabel im Mauerwerk verschwinden. Oberleitungen finden sich vor allem in Altbauten, Kellern, Gewerberäumen und überall dort, wo nachträglich etwas angeschlossen wurde.
Was als Oberleitung gilt
Am häufigsten begegnen uns Elektroleitungen in Kabelkanälen oder Leerrohren, verlegt entlang von Wänden und Decken. Hinzu kommen Wasserleitungen für Warm- und Kaltversorgung, Heizungsvor- und -rücklaufrohre sowie Datenkabel und Netzwerkleitungen, die in Bestandsgebäuden selten vergossen wurden. In Kellern trifft man außerdem auf Abwasserrohre und Fallrohre, in gewerblich genutzten Räumen auf Lüftungskanäle.
Die zulässigen Ausführungsformen sind klar geregelt: Elektroinstallationen müssen die Anforderungen der DIN VDE 0100 erfüllen, Trinkwasserleitungen die DIN 1988, Heizungsrohre die DIN EN 12828. Für Heizungsleitungen schreibt das Gebäudeenergiegesetz außerdem eine Dämmung vor, egal ob die Rohre im Putz liegen oder sichtbar verlaufen.
Was für Oberleitungen spricht
Der praktische Vorteil liegt auf der Hand: Die Wand bleibt unberührt. Gerade in Altbauten mit massivem Mauerwerk, wie sie im Remstaler Bestand häufig vorkommen, ist das Schlitzen aufwändig, teuer und bei denkmalgeschützten Gebäuden oft genehmigungspflichtig. Aufputz lässt sich schneller verlegen, kostet in der Ausführung weniger und ist bei Schäden leicht zugänglich. Wer im Keller eine zweite Steckdose oder einen zusätzlichen Wasseranschluss braucht, kommt mit Aufputzinstallation ohne großen Aufwand ans Ziel.
Im Gewerbe und im Industrial-Stil wird die sichtbare Installation bewusst als Gestaltungselement eingesetzt. Kupferrohre, verzinkte Metallrohre oder farblich angepasste Kabelkanäle können optisch durchaus funktionieren, wenn das Konzept dahinter stimmig ist.
Was gegen Oberleitungen spricht und was das beim Verkauf bedeutet
In Wohnräumen wirken sichtbare Leitungen auf die meisten Kaufinteressenten störend. Sie schränken die Möblierung ein, sammeln Staub und signalisieren, dass das Gebäude technisch nicht auf aktuellem Stand ist. Mechanisch sind Oberleitungen anfälliger als vergossene Rohre, weil sie ungeschützt liegen.
Beim Verkauf einer Immobilie im Remstal gilt: Sichtbare Installationen in Wohnräumen werden von Interessenten wahrgenommen und fließen in deren Preisvorstellung ein, auch wenn sie technisch einwandfrei sind. Eine Umrüstung auf Unterputz ist möglich, aber kostspielig, weil Schlitzarbeiten, Verputzen und Streichen hinzukommen. Preisgünstiger ist es, Leitungen in geordnete Kabelkanäle zu legen und farblich anzupassen. Das verbessert den optischen Eindruck bei der Besichtigung deutlich, ohne die Wand anzutasten. Aus der Planung kennen wir Situationen, in denen eine saubere Aufputzlösung mit Kabelkanal den gleichen Effekt hatte wie eine teure Unterputzsanierung, weil Käufer in erster Linie Ordnung und Gepflegtheit bewerten, nicht die Verlegungsart selbst.