Immobilien-ABC L

Lage


Warum die geografische Position einer Immobilie über alles andere entscheidet

Unter Lage versteht man die geografische Position einer Immobilie, und kein anderer Faktor beeinflusst den Wert so dauerhaft. Gebäude lassen sich sanieren, modernisieren und umbauen. Die Adresse bleibt, wie sie ist. Genau das steckt hinter dem alten Maklerspruch “Lage, Lage, Lage”: Er bringt auf den Punkt, was sich rechnerisch in jedem Preisvergleich bestätigt.

Makrolage und Mikrolage: zwei Ebenen, ein Urteil

Die Makrolage beschreibt den großräumigen Rahmen. Dazu gehören Region, Wirtschaftskraft, Arbeitsmarkt und Bevölkerungsentwicklung. Eine Region mit Zuzug und stabilen Arbeitsplätzen hält Nachfrage und Preise oben; strukturschwache Gebiete mit Abwanderung tun das Gegenteil. Der Rems-Murr-Kreis profitiert hier klar von seiner Nähe zu Stuttgart: kurze Pendelwege, ein gut ausgebauter S-Bahn-Anschluss und Nachfrage, die seit Jahren stabil ist.

Die Mikrolage geht tiefer. Sie beschreibt den konkreten Straßenzug, die Nachbarschaft, den Zuschnitt des Grundstücks und die unmittelbare Umgebung. Zwei Wohnungen im selben Ort, 800 Meter auseinander, können im Preis um 20 Prozent oder mehr voneinander abweichen. Im Raum Fellbach sehen wir das regelmäßig: Hanglagen am Kappelberg und Wohnlagen an einer Durchgangsstraße tragen zwar dieselbe Postleitzahl, spielen aber in ganz anderen Preisklassen. Wer unsere Bodenrichtwerte auf BORIS-BW aufruft, findet dort die Grundtendenz, aber die feinen Abstufungen innerhalb einer Lage zeigen sich erst in den Vergleichspreisen des Gutachterausschusses.

Was zur Lagebeurteilung gehört

Infrastruktur spielt eine zentrale Rolle. Relevant sind vor allem: fußläufige Erreichbarkeit von Einkauf und ÖPNV-Haltestellen, Schulen und Kindergärten im Nahbereich sowie die Fahrtzeit in die Innenstadt oder zum nächsten Anschluss an das überregionale Netz. Eine gut angebundene Lage erzielt höhere Preise und lässt sich schneller vermieten. Wo Infrastruktur fehlt, schlägt sich das direkt im Erlös nieder.

Daneben zählen weichere Faktoren, die sich bei einer Besichtigung erschließen: Lärmbelastung zu verschiedenen Tageszeiten, Sonneneinstrahlung und Ausrichtung des Grundstücks, die Qualität des direkten Umfelds und die soziale Struktur der Nachbarschaft. Wir empfehlen jedem Eigentümer, das Grundstück auch zu Zeiten zu besuchen, die er sonst nicht wahrnimmt. Frühmorgens und abends am Wochenende zeigt ein Straßenzug ein anderes Gesicht als zur Besichtigungszeit unter der Woche.

Lage und Wert: Was das konkret bedeutet

Wer sein Haus oder seine Wohnung verkauft, fragt sich zu Recht, was die Lage für den erzielbaren Preis bedeutet. Grob gesagt liegen die Bodenwerte im Rems-Murr-Kreis zwischen 400 und 610 EUR/m², wobei Fellbach, Kernen im Remstal und Waiblingen am oberen Ende angesiedelt sind. Das Gebäude selbst fließt in Baden-Württemberg übrigens auch bei der Grundsteuer nicht in die Bewertung ein: Das Land nutzt als einziges bundesweit das modifizierte Bodenwertmodell, das allein Fläche und Bodenrichtwert heranzieht. Das Gebäude bleibt außen vor.

Für den Verkauf bedeutet das: Eine gute Lage wirkt doppelt. Sie rechtfertigt einen höheren Angebotspreis und sichert diesen im Bieterprozess ab, weil die Nachfrage stabil bleibt. Eine schwächere Lage verlangt umgekehrt realistische Preiserwartungen, auch dann, wenn das Haus in einem sehr guten Zustand ist. Beides lässt sich offen benennen. Beschönigen bringt niemandem etwas, weil der Markt die Lage ohnehin einpreist.

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