Immobilien-ABC J

Jahresprimärenergiebedarf


Die Kenngröße, die über Energieausweis, Förderung und Wert einer Immobilie entscheidet

Der Jahresprimärenergiebedarf beschreibt, wie viel Energie ein Gebäude pro Jahr wirklich verbraucht: nicht nur das, was am Zähler abgelesen wird, sondern die gesamte Kette von der Quelle bis zur Wärme. Dazu gehören Gewinnung, Umwandlung und Transport des jeweiligen Energieträgers. Weil das GEG diese Zahl als zentrale Anforderungsgröße nutzt, taucht sie in jedem Energieausweis auf und entscheidet über KfW-Förderstufen. Für Sie als Eigentümer ist sie konkret: Der Wert beeinflusst die Einstufung Ihres Gebäudes und damit seinen Marktwert.

Warum nicht einfach Endenergie?

Strom ist nicht gleich Strom, und Gas ist nicht gleich Pellets. Ein Gebäude, das 10.000 kWh Strom aus dem allgemeinen Netz bezieht, verursacht in der Gesamtkette mehr Primärenergie als eines, das dieselbe Wärmemenge über Holzpellets erzeugt. Um diese Unterschiede abzubilden, multipliziert man den gemessenen Endenergiebedarf mit einem Primärenergiefaktor.

Die Faktoren nach GEG weichen je nach Energieträger stark voneinander ab:

  • Heizöl, Erdgas und Flüssiggas: Faktor 1,1
  • Allgemeiner Strommix: Faktor 1,8 (Kraftwerksverluste machen den Unterschied)
  • Holzpellets: Faktor 0,2
  • Solarthermie und Umweltwärme (Wärmepumpe, Quelle): Faktor 0,0
  • Fernwärme: je nach Erzeugungsmix 0,0 bis 1,3

Ein hohes Faktorprodukt bedeutet: Das Gebäude kostet in der Gesamtbilanz mehr, als der Zähler zeigt.

Was das GEG fordert

Für neue Wohngebäude schreibt das GEG seit 2023 vor, dass der Jahresprimärenergiebedarf maximal 55 Prozent des rechnerischen Referenzgebäudes betragen darf. In der Praxis landet ein gut geplanter Neubau dadurch bei etwa 40–55 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Wer KfW-Effizienzhaus 40 erreichen will, muss auf 40 Prozent des Referenzwerts kommen. Das ist die Grenze, ab der die höchste Bundesförderung greift.

Bei Bestandsgebäuden gelten die Anforderungen, wenn wesentliche Bauteile erneuert werden. Dann darf der Jahresprimärenergiebedarf 140 Prozent des Neubauniveaus nicht überschreiten. Für viele Altbauten im Remstal, die vor 1977 errichtet wurden und noch keine grundlegende Sanierung erfahren haben, bedeutet das: Eine umfangreichere Sanierung löst Nachweispflichten aus. Aus der Planung kennen wir Fälle, in denen die Dämmung der Außenwände allein schon den Rechennachweis erforderlich machte.

Einordnung typischer Gebäude

Zur groben Orientierung, wo verschiedene Baualtersklassen liegen:

  • Unsanierter Altbau vor 1977: 200–400 kWh pro m² und Jahr
  • Teilsanierter Bestand: 120–200 kWh
  • Gut sanierter Bestand: 50–100 kWh
  • Neubau nach aktuellem GEG: 40–55 kWh
  • Passivhaus: unter 15 kWh

Der Bundesdurchschnitt liegt grob bei 160 kWh pro m² und Jahr. Wer im Remstal ein Haus aus den 1960ern besitzt, das noch mit Öl oder Gas heizt, dürfte mit seinem Gebäude deutlich über diesem Schnitt liegen.

Beispielrechnung: Gas gegen Wärmepumpe

Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche in Kernen im Remstal, das heute noch mit Erdgas beheizt wird.

Variante Gas: 15.000 kWh Endenergie (Erdgas) × Primärenergiefaktor 1,1 = 16.500 kWh Primärenergie Das entspricht rund 110 kWh pro m² und Jahr.

Variante Wärmepumpe: Die gleiche Wärmemenge lässt sich mit einer effizienten Wärmepumpe mit etwa 5.000 kWh Strom erzeugen (Jahresarbeitszahl 3,0). 5.000 kWh × Faktor 1,8 = 9.000 kWh Primärenergie, also rund 60 kWh pro m² und Jahr.

Das ist kein kleiner Unterschied: Die Wärmepumpe drückt den Jahresprimärenergiebedarf in diesem Beispiel um fast die Hälfte. Für die KfW-Einstufung, den Energieausweis und damit den Verkehrswert des Hauses macht das einen spürbaren Unterschied.

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