Immobilien-ABC I

Innendämmung


Wärmedämmung von innen: sinnvolle Alternative bei Denkmalschutz, Grenzbau oder schwieriger Fassade

Bei der Innendämmung wird die Dämmschicht nicht außen an der Fassade, sondern auf der Rauminnenseite der Außenwände aufgebracht. Das klingt nach einem Kompromiss, ist aber in bestimmten Situationen die einzige technisch und rechtlich mögliche Lösung. Richtig geplant und ausgeführt verbessert sie den Wärmeschutz spürbar; falsch ausgeführt zieht sie Schimmel und Bauschäden nach sich.

Wann Innendämmung die richtige Wahl ist

Der häufigste Grund ist Denkmalschutz. Wer ein Gebäude mit schützenswerter Fassade besitzt, etwa einen der gründerzeitlichen Backsteinbauten, die im Remstal vereinzelt noch stehen, kann die Außenhülle nicht einfach mit Dämmplatten verkleiden. Die Denkmalschutzbehörde untersagt das. Die Innendämmung greift dann nicht in das äußere Erscheinungsbild ein.

Ein zweiter typischer Fall ist die Grenzbebauung. Wer sein Gebäude direkt auf oder nahe der Grundstücksgrenze hat, darf auf dem Nachbargrundstück nichts anbringen. Eine außenliegende Dämmung würde aber genau das erfordern. Hier bleibt nur die Innenseite.

Manchmal ist die Innendämmung auch schlicht wirtschaftlicher. Wenn eine Fassade für ein Gerüst schwer zugänglich ist oder nur einzelne Räume energetisch verbessert werden sollen, wäre eine vollflächige Außendämmung unverhältnismäßig aufwendig.

Die Wahl des Dämmsystems entscheidet über alles

Das Grundproblem der Innendämmung ist bauphysikalischer Natur: Warme, feuchte Raumluft trifft auf eine Außenwand, die durch die Dämmung noch kälter bleibt als zuvor. An der falschen Stelle kondensiert die Feuchtigkeit, und dann wächst Schimmel hinter der Dämmung, ohne dass man ihn zunächst sieht.

Günstige Systeme mit Mineralwolle lösen dieses Problem über eine dichte Dampfbremse auf der Raumseite. Das funktioniert nur, wenn die Dampfbremse lückenlos verklebt und an allen Durchdringungen sorgfältig abgedichtet ist. Jede undichte Stelle ist eine potenzielle Schadensstelle. Die Materialkosten sind mit rund 15–30 EUR/m² niedrig, die Anforderungen an die Ausführung aber hoch.

Kapillaraktive Systeme aus Kalziumsilikat oder Holzfaser arbeiten nach einem anderen Prinzip: Sie nehmen eingedrungene Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, ohne dass Kondensation entsteht. Eine Dampfbremse ist nicht erforderlich. Aus der Planung kennen wir diese Systeme als die bauphysikalisch verlässlichere Lösung, besonders bei historischen Wänden mit unregelmäßigem Aufbau. Kalziumsilikatplatten kosten je nach Produkt 60–100 EUR/m², Holzfaserplatten 30–60 EUR/m².

Wärmebrücken nicht vergessen

Eine häufig unterschätzte Schwachstelle sind die Anschlusspunkte. Wo Innenwände und Decken auf die Außenwand treffen, endet die Dämmebene. Genau dort entsteht eine Wärmebrücke, der kälteste Punkt im Raum und damit der erste Ort, an dem Schimmel auftritt. Professionelle Systeme schließen diese Stellen mit Dämmkeilen oder einem umlaufenden Dämmstreifen. Wer das weglässt, spart an der falschen Stelle.

Hinzu kommt, dass die massive Außenwand durch die Innendämmung vom beheizten Raum abgetrennt wird. Sie speichert keine Wärme mehr für den Innenraum. Das ist kein Defekt, aber es verändert das Heizverhalten: Der Raum reagiert schneller auf Temperaturschwankungen.

Kosten und Förderung

Für ein einfaches System mit Dampfbremse sind je nach Aufwand und Wandzustand 70–120 EUR/m² realistisch, für kapillaraktive Systeme 150–250 EUR/m². Hinzu kommen Nebenarbeiten wie das Versetzen von Steckdosen und das Anpassen der Fensterlaibungen, die oft unterschätzt werden.

Die Maßnahme ist als Einzelmaßnahme über die KfW förderfähig und kann als BAFA-Zuschuss beantragt werden. Wer einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) hat, erhält einen zusätzlichen Bonus von 5 Prozentpunkten auf den Grundfördersatz. Eigentümer, die selbst in der Immobilie wohnen, können die Kosten außerdem nach § 35c EStG steuerlich geltend machen: 20 Prozent der Aufwendungen über drei Jahre verteilt absetzbar.

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