Immobilien-ABC T

Thermografie


Wärmebilder machen unsichtbare Schwachstellen am Gebäude sichtbar, bevor sie teuer werden.

Thermografie ist ein berührungsloses Messverfahren, das mit einer Infrarotkamera die Wärmestrahlung von Oberflächen aufzeichnet und als farbiges Wärmebild darstellt. So werden Stellen sichtbar, an denen ein Gebäude Energie verliert oder Feuchtigkeit eingedrungen ist. Das Verfahren erfordert keine Eingriffe in die Bausubstanz und liefert trotzdem konkrete Hinweise darauf, wo eine Sanierung ansetzt.

Was die Kamera zeigt

Die häufigsten Befunde betreffen Wärmebrücken: Das sind Stellen, an denen Bauteile die Wärme schneller nach außen leiten als die umgebende Konstruktion. Klassische Beispiele sind auskragende Balkonplatten, Rollladenkästen oder unsauber ausgeführte Fensteranschlüsse. Luftundichtigkeiten an Fugen, Türen oder Leitungsdurchführungen zeichnen sich ebenfalls ab. Fehlende oder verrutschte Dämmung hinter der Fassade ist im Wärmebild oft eindeutig zu erkennen, ohne eine einzige Fliese zu lösen. Technische Anlagen lassen sich ebenfalls prüfen: Bei einer Fußbodenheizung zeigt die Thermografie, ob alle Heizkreise gleichmäßig warm werden.

Feuchtigkeit ist nur indirekt sichtbar. Nasse Stellen kühlen anders ab als trockene, das erzeugt einen Temperaturunterschied, den die Kamera registriert. Eine direkte Feuchtemessung ersetzt das nicht, aber es gibt einen klaren Hinweis, wo genauer nachgeschaut werden sollte.

Bedingungen, die das Ergebnis bestimmen

Damit die Aufnahmen aussagekräftig sind, braucht es einen Temperaturunterschied von mindestens zehn Grad zwischen innen und außen. Frostperioden, wie sie im Remstal in der Regel zwischen Dezember und Februar auftreten, bieten dafür gute Voraussetzungen. Am zuverlässigsten sind Aufnahmen in den frühen Morgenstunden an bewölkten, windarmen Tagen, weil direkte Sonneneinstrahlung die Fassade ungleichmäßig erwärmt und das Bild verfälscht.

Das Gebäude sollte mindestens 24 Stunden vor der Messung auf Wohntemperatur beheizt sein. Möbel, die direkt an Außenwänden stehen, sollten vorher etwas abgerückt werden, Fenster und Türen bleiben in dieser Zeit geschlossen. Wer das nicht beachtet, riskiert Aufnahmen, aus denen sich kaum verlässliche Schlüsse ziehen lassen.

Kosten und was Sie dafür bekommen

Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten einer professionellen Außenaufnahme grob bei 300–600 Euro. Mit Innenaufnahmen und einem schriftlichen Bericht einschließlich Handlungsempfehlungen rechnen Sie mit 500–1.000 Euro. Im Lieferumfang sollten der kommentierte Bildbericht und konkrete Hinweise auf Maßnahmen enthalten sein, nicht nur bunte Bilder.

Die Investition rechnet sich schnell: Wer gezielt dämmt statt pauschal, spart unnötige Materialkosten. Eine spürbare Senkung der Heizkosten ist realistisch, wenn die identifizierten Schwachstellen beseitigt werden. Wichtiger ist aus unserer Sicht die frühzeitige Schadenserkennung. Feuchtigkeit, die jetzt auf 300 Euro Schadensaufwand hinweist, wird in zwei Jahren leicht zum fünfstelligen Problem.

Für eine erste grobe Orientierung gibt es Smartphone-Aufsätze mit Infrarotsensor für 200–400 Euro. Für eine Kaufentscheidung oder eine Sanierungsplanung reicht das nicht aus. Da braucht es ein kalibriertes Gerät und jemanden, der das Bild einzuordnen weiß.

Thermografie vor dem Immobilienkauf

Wer eine ältere Immobilie im Raum Fellbach, Kernen oder Waiblingen kaufen möchte, sollte eine Thermografie als Teil der Vorabprüfung in Betracht ziehen. Das Wärmebild zeigt den Zustand der Außendämmung, Hinweise auf frühere Sanierungen und Stellen, an denen der Verkäufer möglicherweise nichts weiß oder nichts sagen möchte.

Konkrete Befunde aus einer Thermografie sind eine sachliche Grundlage für Preisverhandlungen. Sie helfen, die tatsächlichen Sanierungskosten einzuschätzen, statt sich auf Schätzungen zu verlassen. Und sie können im Streitfall relevant werden, wenn Mängel nach dem Kauf auftauchen und die Frage aufkommt, ob sie erkennbar waren.

Das Verfahren hat allerdings seine Grenzen. Es zeigt Oberflächentemperaturen, keinen Blick in die Bauteilschichten. Wer wissen will, wie luftdicht eine Hülle wirklich ist, braucht ergänzend einen Blower-Door-Test. Für ein vollständiges Bild ist die Kombination mehrerer Methoden sinnvoller als ein einzelnes Verfahren allein.

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