Immobilien-ABC R

Regenwassernutzung


Regenwasser sinnvoll sammeln und nutzen: was technisch nötig ist und was es bringt

Regenwassernutzung beschreibt die gezielte Sammlung von Niederschlagswasser über Dachflächen, seine Speicherung in einer Zisterne und die anschließende Verwendung im Haus oder Garten. Das Ziel ist ein geringerer Trinkwasserverbrauch, was unmittelbar die Wasserrechnung senkt und je nach Kommune auch die Abwassergebühr reduziert. Für Eigentümer ist es damit ein baulicher Eingriff mit messbarem wirtschaftlichem Effekt.

Was Sie mit Regenwasser dürfen und was nicht

Die Regel ist klarer, als sie oft dargestellt wird. Regenwasser darf überall dort verwendet werden, wo kein Trinkwasser vorgeschrieben ist: Gartenbewässerung, Toilettenspülung, Teichbefüllung, Gebäudereinigung und mit entsprechender Aufbereitung auch die Waschmaschine. Für alles, was in direkten Kontakt mit Menschen oder Lebensmitteln kommt, Trinken, Körperpflege, Kochen, Geschirrspülen, bleibt ausschließlich das Trinkwassernetz zugelassen.

Aufbau einer Anlage

Ein vollständiges System besteht aus wenigen, klar definierten Elementen. Die Dachfläche bildet die Sammelfläche, ein mehrstufiges Filter system hält Laub und Feinpartikel zurück, eine Erdtank oder eine Kunststoffzisterne speichert das Wasser, eine Pumpe mit Steuereinheit verteilt es im Haus. Entscheidend ist ein vollständig getrenntes Leitungsnetz gegenüber dem Trinkwassernetz sowie eine sichtbare Kennzeichnung aller Entnahmestellen. Reicht das gesammelte Regenwasser nicht aus, speist eine automatische Nachspeisung aus dem Trinkwassernetz nach. Die Systemtrennung an dieser Stelle ist keine Empfehlung, sondern technische Pflicht nach DIN 1989.

Aus der Planung kennen wir Situationen, in denen die Nachrüstung beim Einfamilienhaus deutlich aufwendiger wird als beim Neubau: Wenn keine Leerrohre vom Keller in die Sanitärräume vorhanden sind, muss das getrennte Leitungsnetz durch bewohnte Geschosse gezogen werden. Das sollte man vor einem Angebot kalkulieren lassen.

Dimensionierung und Wirtschaftlichkeit

Als Richtwert gelten 50–80 Liter nutzbares Wasser pro Quadratmeter Dachfläche und Jahr. Ein Einfamilienhaus mit vier Personen und 100 Quadratmeter Dachfläche kommt damit auf einen sinnvollen Speicherinhalt von 5.000–7.000 Litern, wenn WC-Spülung und Gartenbewässerung versorgt werden sollen. Der theoretische Einsparpotenzial liegt bei bis zu 50 Prozent des bisherigen Trinkwasserverbrauchs.

Die Kosten für eine vollständige Innenanlage mit Erdtank liegen im Bereich von 4.800–7.500 Euro. Bei aktuellen Wasserpreisen und einer jährlichen Ersparnis von grob 180–360 Euro ergibt sich eine Amortisationszeit von 15–25 Jahren. Das ist lang, und wir benennen das direkt: Wer rein finanziell rechnet, wird mit dieser Anlage selten zufrieden sein. Wer dagegen den Wiederverkaufswert, die Unabhängigkeit bei Gartenbewässerung oder Nachhaltigkeitsaspekte gewichtet, bewertet das Ergebnis anders. Eine einfache oberirdische Lösung für den Garten kostet 100–400 Euro und amortisiert sich in 2–5 Jahren.

Rechtliche Anforderungen im Überblick

  • Die Anlage muss dem zuständigen Gesundheitsamt und dem örtlichen Wasserversorger gemeldet werden. In Fellbach und im Rems-Murr-Kreis wenden Sie sich dafür an den jeweiligen Wasserversorger und das Landratsamt.
  • Das Leitungsnetz für Regenwasser muss dauerhaft gekennzeichnet sein und darf keine direkte Verbindung zum Trinkwassernetz haben.
  • Die Nachspeisung aus dem Trinkwassernetz erfordert eine freie Auslaufstrecke oder ein zugelassenes Rohrtrennerventil.
  • Für die Zisterne selbst ist in der Regel keine Baugenehmigung erforderlich. Der Überlauf und die Versickerung müssen jedoch mit der unteren Wasserbehörde abgestimmt werden, sofern das Wasser nicht in die Kanalisation eingeleitet wird.
  • Wer die Anlage bei einem Verkauf nicht offenlegt, riskiert Nachforderungen, weil getrennte Leitungsnetze im Gebäude erklärungsbedürftig sind und in der Käuferprüfung auffallen.

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